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Plumeau Archive - by arp

Archaismen – seltene Wörter, die vom Aussterben bedroht sind

Wenn alte Wörter immer mehr in Vergessenheit geraten, der allgemeine Gebrauch abnimmt und sie gar vom ‚Aussterben‘ bedroht sind, spricht man von Archaismen. Der Begriff lässt sich aus dem Altgriechischen ableiten – ἀρχαῖος ~ archaĩos – was mit ehemalig oder alt übersetzt werden kann. Die Endung ‚mus‘ ist wiederum lateinischen Ursprungs.

Ein simples Beispiel für ein solches Wort: Das Fünfpfennigstück wurde von unseren Urgroßeltern noch ‚Sechser‘ genannt. Dass man ein ‚Fünferl‘ sechser nennt, klingt doch völlig unlogisch! Wenn man aber weiß, dass der Ausdruck noch aus Zeiten rührt, in denen das Dezimalsystem herrschte, erschließt sich einem das plötzlich.

So sterben also Wörter aus – weil sie sich uns nicht mehr erschließen, weil wir sie nicht mehr brauchen, weil sie ‚unmodern‘ geworden sind oder weil sie sich durch andere Wörter ersetzt haben.

Einige Archaismen wie Techtelmechtel, Sapperlot, Plumeau, Guffen, Adies oder im Anschluss an diesen Artikel ‚Grisette‘, habe ich auf meinem Blog bereits ausführlich beschrieben.

Zusätzlich zu einigen Archaismen finden Sie weiter unten auch ein ‚Kleines Lexikon flapsiger Wörter‘.

‚Fast vergessene Wörter‘ auf meinem Blog:

Techtelmechtel

Hagestolz

Grisette

adies

Plumeau

Guffen

Matz – in früherer Bedeutung

Sappralott

Vergessene Wörter – Plumeau

Kennen Sie den Sketch von Karl Valentin und Liesl Karlstadt, in dem die beiden als Ehepaar unter je einer voluminösen, ja geradezu riesig aufgeplusterten Bettdecke liegen? Zugedeckt bis unter die Nase? Und die Liesl äugt frech zum Karl hinüber, und man sieht ihr an, dass sie etwas ganz und gar Unanständiges plant? Und dann passiert es tatsächlich! Flugs beugt sie sich zum Karl hinüber und drückt ihm ein verschämtes Busserl auf die Wange. Worauf er in seiner trockenen Art sagt: „Die Frauen immer mit ihrem Sex!“

Die Bettdecken, unter denen die beiden liegen, die nannte man früher ‚Plumeau‘ was etwa wie Plümmo klang. Natürlich haben uns das französischklingende Wort Napoleons Soldaten beschert. Allerdings hat es bei uns einen für französische Ohren arg seltsamen Klang und nicht mehr recht viel mit dem ursprünglichen Wort zu tun, das in Frankreich nicht diese altmodischen, aufgeplusterten Bettdecken bezeichnet, sondern einen Staubwedel aus Federn, den die Hausmädchen und  -frauen einst zum Abstauben benutzten.

Aber wie kommts? Ganz einfach: Das französische Wort leitete sich vom lateinischen ‚pluma‘ ab, was Feder bedeutet. Und was trugen die Herren Grenadieroffiziere, die Kürassiere, Carabiniere und Dragoner auf ihren Uniformmützen und -hüten? Richtig – einen Federwisch! Allerdings heißt der Federwische auf den Hüten nicht genauso wie der Staubwedel, sondern ‚plumet‘.

Tja, so geht das mit der Sprache. Aus pluma (Feder) wird plumeau (Staubwedel), aus plumeau wird plumet (Federwisch), und aus plumet wird schließlich plümoo, ein Federbett.

Einer schnarcht unter dem Plumeau
Zeichnung von Wilhelm Busch

Aber was ist nun eigentlich aus Karls und Liesls Bettdecken geworden? Es gibt sie nicht mehr, und deshalb ist auch das Wort ausgestorben! Heute sind die Häuser geheizt und man hat leichte Betten, möglichst waschbar, damit die Allergiker sich vor Staubmilben schützen können. Auch das Trottoir, der Paraplü oder das Portemonnaie sind so gut wie ausgestorben. Schade eigentlich – Paraplü klingt doch viel netter als Regenschirm, und auf dem Trottoir lässt sich viel gemütlicher dahintrotten als auf einem Gehsteig oder Bürgersteig.

Nur im Österreichischen hört man diese wunderbar altmodischen Wörter noch, und auch die Niederländer sagen wie eh und je Paraplü zum Regenschirm.