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Liste aller Genres und Subgenres - blog by arp von Angeline Bauer

Liste aller Genres und Subgenres von Mara Laue

Die Schriftstellerin Mara Laue hat sich die Mühe gemacht, eine Liste alle Genres und Subgenres aufzustellen und ihre Bedeutung zu erläutern. Ein wirklich interessanter Beitrag für interessierte Laien, Autoren und andere Leute vom Fach.

Genres und ihre Subgenres

Zusammengestellt von Mara Laue
Quellen:
•    Alpers, Hans J./Fuchs, Werner/Hahn, Ronald M.: Lexikon der Horrorliteratur. Erkrath 1999
•    Harenberg Literaturlexikon. Autoren, Werke und Epochen, Gattungen und Begriffe von A bis Z. Dortmund 2003
•    Schülerduden Literatur. Mannheim 2005
•    Aussagen/Erläuterungen diverser Lektorinnen/Lektoren

Das Wort „Genre“ stammt aus dem Französischen (ausgesprochen ungefähr „schongre“) und bezeichnet die Art oder Gattung, der ein Text angehört, zum Beispiel Krimi, Liebesroman oder Fantasy. Die sind die Oberbegriffe. Dazu besitzt fast jedes Genre Unterarten, die sogenannten „Subgenres“ bei denen die Grenzen oft fließend sind. Und natürlich gibt es jedes Genre (Ausnahme: erotische beziehungsweise pornografische Literatur) auch im Jugendbuchbereich.
Die grobe Einteilung ist leicht. Jeder kennt den Unterschied zwischen einem Krimi und einem Science-Fiction-Roman, zwischen einem Liebesroman und einem Fantasyroman. Aber wie nennt man einen Kriminalroman, in dem Vampire oder Werwölfe die Verbrechen begehen oder sie als Polizisten aufklären? Zu welcher Gattung gehört ein Fantasyroman, dessen Handlung nicht in einer fiktiven Welt, sondern in der Gegenwart oder in der Zukunft spielt? Und was ist der Unterschied zwischen einem historischen Roman und einem Historienroman?
Diese Sammlung gibt einen groben Überblick und ist nach bestem Wissen und sorgfältiger Recherche zusammengestellt. Sie behandelt (in alphabetischer Reihenfolge) jedoch nur die gängigsten Genres und Subgenres und verzichtet auf Nischengenres, selten verlegte Subgenres und Genres der Fan Fiction.

1. Abenteuerroman
Beim Abenteuerroman handelt es sich um die Schilderung fiktiver Ereignisse, bei denen der Protagonist ein Abenteuer oder mehrere bestehen muss. „Abenteuer“ wird in diesem Zusammenhang definiert als ein gefährliches, unerwartetes, nicht alltägliches Ereignis, das zu bewältigen ist sowie als prickelndes Erlebnis (im erotischen Sinn). Somit basiert das Prinzip des Abenteuerromans darauf, dass der Held der Geschichte (beim Abenteuerroman ist es in der Regel immer nur einer) freiwillig oder unfreiwillig diverse Gefahren zu überstehen hat, deren Zweck entweder die Rettung einer Person, seines Umfeldes, seines Landes oder die Gewinnung eines Schatzes (im weitesten Sinn) ist. Der Abenteuerroman wird normalerweise ausschließlich aus der Sicht des Helden erzählt, obwohl es natürlich auch hier – wie überall – Ausnahmen gibt.
Kennzeichnend für den Abenteuerroman sind drei Dinge. 1. Der Held ist und bleibt immer der Gute. Szenarien, in denen er die Seite wechselt und sich zum Bösen bekennt, kommen nicht vor. 2. Die Hauptperson durchläuft keine oder eine nicht nennenswerte persönliche (charakterliche) Entwicklung und ist auch am Ende des Romans/der Geschichte immer noch derselbe Mensch, nur ein bisschen älter mit unter Umständen ein paar Narben mehr am Körper, aber nicht unbedingt weiser. 3. Der Held ist meistens ein Mann. Erst in jüngerer Zeit tauchen mit Figuren wie Lara Croft auch weibliche Abenteurer auf.
Klassische Abenteuerromane sind Western, die „Lederstrumpf-Erzählungen“ und im Filmbereich die „Indiana-Jones“-Reihe.

2 All Age Literatur
Hinter dieser jungen Genre-Bezeichnung verbergen sich Bücher für junge Menschen ab 12 Jahren, deren Themen aber auch Erwachsene ansprechen, zum Beispiel „Harry Potter“. Die meisten All-Age-Bücher gehören daher zum Fantasygenre, können aber auch in anderen Genres angesiedelt sein.

3 Animal Fiction
(Auch „Animal Fantasy“ genannt.) Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Tiergeschichte, die aus der Sicht der Tiere geschrieben ist. Während in der herkömmlichen Tiergeschichte die Tiere aus der Sicht eines Menschen mit auktorialer Erzählweise dargestellt werden, ist das Kennzeichen der Animal Fiction, dass die Tiere wie Menschen agieren, Verstand haben und sprechen (können). Die Handlungen sind aus der Perspektive eines Tieres oder mehrerer Tiere als Helden geschildert. Die Themen handeln meistens von Konflikten mit Menschen, hinter denen sich oft aktuelle Themen des Umweltschutzes verbergen. In älteren Werken (zum Beispiel Kenneth Grahams „Der Wind in den Weiden“) erleben die Tiere Abenteuer und bilden stellvertretend menschliche Konflikte und Charaktere nach. Zur Animal Fiction gehören Werke wie „Unten am Fluss – Watership Down“ (Richard Adams), „Als die Tiere den Wald verließen“ (Colin Dann) und „Glennkill. Ein Schafkrimi“ (Leonie Swann).

4 Autobiografischer/Biografischer Roman
Während eine Autobiografie oder eine Biografie möglichst genau und vor allem sachlich (Autobiografien und Biografien sind immer Sachbücher!) das Leben oder einzelne Stationen des Lebens einer bestimmten Person beschreibt, handelt es sich beim autobiografischen und biografischen Roman um ein (halb) fiktives Werk, das jedoch einzelne reale Episoden aus dem Leben der Hauptperson (die nicht immer der Autor sein muss) mit einbezieht. Oder reale Erlebnisse einer realen Person werden als Romanhandlungen wiedergegeben, wobei die reale Person einen fiktiven Namen bekommt. Ulla Hahns Romane „Das verborgene Wort“ und „Aufbruch“ sind autobiografische Romane, Margaret Georges „Heinrich VIII – Mein Leben“ ist ein biografischer Roman.

A. Autobiografie
Kennzeichen der Autobiografie ist neben der Schilderung realer Erlebnisse, dass sie in der Ich-Form beschrieben sind. Der Autor ist gleichzeitig der „Held“ der Handlung, da es sich dabei um die Beschreibung seines gesamten Lebens oder Episoden daraus handelt. Auch wenn ein Ghostwriter (siehe Glossar) das Schreiben als solches übernimmt, bleibt es eine Autobiografie, da der Autor dem Ghostwriter diktiert, was der inhaltlich schreiben soll. Im Gegensatz zur Biografie sind Autobiografien immer stark subjektiv geprägt und deshalb in Bezug auf den Verfasser sehr authentisch.
B. Biografie
Im Gegensatz zur Autobiografie wird die Biografie über eine reale Person immer von einem anderen Autor als ihr selbst geschrieben. Der Autor betrachtet die Episoden aus dem Leben der Person von außen und schildert die Ereignisse in der 3. Person, sofern es sich nicht um wörtlich wiedergegebene Auszüge aus Tagebüchern oder Interviewzitate handelt, in denen die betreffende Person selbst zu Wort kommt. In der Regel achtet der Autor auf größtmögliche Objektivität.

C. Memoiren
(Franz. „Erinnerungen“) Memoiren werden wie die Autobiografie von der Person, um die sie sich drehen, selbst verfasst. Das Kennzeichen der Memoiren ist, dass sie sich thematisch mehr mit dem Zeitgeschehen, den kulturellen oder gesellschaftlichen Gegebenheiten beziehungsweise dem Beruf des Memorierenden beschäftigen als mit dessen persönlichen Lebensumständen wie zum Beispiel Familie oder Beziehung zu Freunden. Auch Memoiren sind meistens sehr subjektiv geprägt.

5. Chick Lit
„Chick Lit“ ist die Abkürzung für „chicken literature“, wörtlich übersetzt „Hühnerliteratur“. Mit „Hühner“ ist in despektierlichem Sinn jener Typ Frau gemeint, der sehr romantisch ist (und hierbei reichlich illusionsbelastet) und sich in erster Linie über Äußerlichkeiten (Figur, Kleidung, Statussymbole etc.) definiert.
Dieses relativ junge Genre hat als Protagonistin (immer eine weibliche Figur!) eine junge Frau zwischen 20 und 35 (selten bis 40, nie älter), die ledig, berufstätig und auf der Suche nach ihrem Traummann ist. Die Story folgt dieser Suche der Heldin durch ihren (Berufs-)Alltag und beinhaltet auch (jugendfreien) Sex. Charakteristisch ist ein humorvoller Ton. Oft wird auch eine zentrale Lebensfrage der Heldin thematisiert – beruflich oder privat –, die es zu lösen gilt. In der Regel ist die Lösung das Finden des Traummannes beziehungsweise wird die Lösung dadurch möglich/erreicht.
Chick Lit wird auch als postfeministische Literatur bezeichnet, die einen Typ Frau propagiert, der Karriere, Beziehung und Familie perfekt und „glücklich bis ans Ende ihrer Tage“ unter einen Hut zu bringen versucht, meistens aber nicht immer mit einem Happy End. „Bridget Jones“ (Helen Fielding) wird in dieses Genre eingeordnet.

6 Entwicklungsroman
Hierbei handelt es sich um einen Romantyp, dessen Schwerpunkt auf der Ausarbeitung der geistig-seelischen Entwicklung des Protagonisten liegt und dessen Auseinandersetzung mit sich selbst und/oder der Umwelt dargestellt wird. Das Hauptaugenmerk richtet sich auf den Reifeprozess, den der Protagonist durchläuft und die Verarbeitung der dabei gemachten Erfahrungen. Der Entwicklungsroman ist oft das Subgenre eines Romans, der zu einem anderen Hauptgenre gehört. Beispiele: „Robinson Crusoe“ (Daniel Defoe; Abenteuerroman), „Der Zauberberg“ (Thomas Mann; Bildungsroman), „Harry Potter“ (Joanne K. Rowling; Urban Fantasy).
7 Ethno-Literatur
Die Ethno-Literatur kann in jedem beliebigen anderen Genre angesiedelt sein und gilt meistens als Subgenre. In der Ethno-Literatur gehören die Protagonisten immer einer bestimmten Volksgruppe an. Bei der Handlung steht die für diese Volksgruppe typische Kultur mit authentischer Beschreibung der Sitten und Bräuche im Vordergrund. Ein häufiges Thema sind die Schwierigkeiten, die sich für den Protagonisten aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit in seinem Umfeld ergeben, das einer anderen Volksgruppe angehört oder der Konflikt zwischen ethnisch bedingter Tradition und modernem Leben.
Vertreter dieses Genres sind zum Beispiel Kiana Davanport („Feuergöttin“) und Tancred Flemmigs Maori-Trilogie („Marama“, „Kia ora, Moana“, „Wahine Toa“).
8 Fantasy
Die Fantasy ist nicht zu verwechseln mit der Phantastik, der sie entstammt. Die Phantastik entwickelte sich im 19. Jahrhundert und gilt als Oberbegriff für jede Form der Literatur, die übernatürliche Elemente beinhaltet, welche durchaus auch technischer Natur sein können. Die klassischen Autoren der Phantastik sind Edgar Allan Poe, Jules Verne, Mary Shelley und Bram Stoker.
Aus diesen Anfängen entsprang die klassische Fantasy, als deren Begründer John Ronald Reuel (J.R.R.) Tolkien gilt. Blieben die Romane und Geschichten der Phantastik thematisch noch weitgehend in der realen Welt verhaftet, so ist das Hauptmerkmal der Fantasyliteratur ihre Anlehnung an Mythen, Märchen und Sagen. In diesem Genre können Fabelwesen wie Drachen und Elfen vorkommen und Magie ist real.

A. High Fantasy
(Hohe Fantasy) Der „Klassiker“. Die Story ist in einer eigenen, sorgfältig entworfenen Welt angesiedelt, die über eigene (menschliche und nichtmenschliche) Volksgruppen verfügt sowie ein meistens an den Feudalismus angelehntes Regierungssystem. Die Religion ist normalerweise polytheistisch (Vielgötter-Glaube). Magie ist real, aber einer bestimmten Gruppe vorbehalten (Zauberer, Hexen, Priesterinnen und Priester etc.). Die Handlung ist hauptsächlich „The Quest“ (die Suche) des Helden und seiner Gefährten nach einem Artefakt, das seine Welt retten kann oder das Gegenteil, dass ein Artefakt, das die Welt bedroht, vernichtet werden muss („Herr der Ringe“). Die andere Variante ist die Heldenreise, wobei sich vielfältige Themen ergeben. Paradebeispiel für High Fantasy: „Der Herr der Ringe“, „Drachenlanze“.

B. Heroic Fantasy/Sword & Sorcery/Low Fantasy
(Heroische Fantasy/Schwert & Zauberei/Niedere Fantasy) Bei dieser Form der Fantasy liegt der Hauptaspekt auf dem Kampf eines meist männlichen Helden (erst in der jüngeren Literatur gibt es auch schwertschwingende Frauen) gegen übernatürliche Dinge wie Magie und Monster. Angesiedelt ist sie in einer fiktiven Welt mit mittelalterlichen oder anderen feudalen Strukturen. Der Handlungsbogen ist an die alten Abenteuerromane (siehe Punkt 1) angelehnt. Bekannteste Vertreter dieses Genres sind die „Conan“- und „Red Sonja“-Romane.

C. Urban Fantasy:
(urban: lat. „städtisch“) Diese Romane spielen in der Gegenwart und zumindest teilweise, wenn nicht gar vollständig in unserer Welt. Die Protagonisten werden mit Magie konfrontiert und/oder übernatürlichen Wesen. Ein häufiges Thema ist auch der Übertritt in eine andere Welt durch ein Portal, um dort Abenteuer zu bestehen. Oft werden auch die modernen Vampir- und Werwolfromane diesem Genre zugeordnet. Die bekanntesten Urban-Fantasy-Romane sind „Harry Potter“, „Die Chroniken von Narnia“ (C. S. Lewis) und „Die unendliche Geschichte“ (Michael Ende).

D. Romantasy:
(Romantic Fantasy – romantische Fantasy) Dies ist eine Spielart der Urban Fantasy. Genau genommen handelt es sich um einen Liebesroman mit den Subgenres „Dark Romance“ und „Magic/Mystic Romance“ (siehe Liebesromane). Zielgruppe sind hauptsächlich weibliche Leser zwischen 15 und 40 Jahren.

E. Dark Fantasy
Die Dark Fantasy (dunkle Fantasy) gehört eigentlich in den Bereich der Horrorliteratur. Sie spielt oft in der heutigen Zeit, kann aber auch in einer Fantasiewelt angesiedelt sein. Die Betonung liegt hier auf den „düsteren“ Elementen, die mit den sogenannten „dunklen Mächten“ (Dämonen, Teufel, Schadenszauberei), aber auch mit Vampiren und Werwölfen zu tun haben können. Besonderes Kennzeichen ist, dass die Erotik darin oft eine große Rolle spielt. Prominente Vertreter dieses Genres sind Laurell K. Hamiltons Anita-Black-Romane.

F. Science Fantasy
Eine Mischung aus High Fantasy oder Heroic Fantasy und Science Fiction. Besondere Kennzeichen sind das Auftauchen von märchenhaften Elementen (Magie) und feudale Strukturen in den fiktiven Welten. Bekannteste Romane dieses Genres sind der „Darkover“-Zyklus von Marion Zimmer Bradley, in dem Menschen den Planeten Darkover besiedeln und dort auf eine feudale Gesellschaft der Einheimischen treffen, die teilweise über magische Kräfte verfügen. Auch die Star-Wars-Filme werden zu diesem Genre gerechnet.

G. Märchen/Sagen
Der Begriff kommt vom mittelhochdeutschen Wort „maere“ (Mär) und bezeichnet eine Nachricht, Kunde oder einen Bericht. Das klassische Märchen ist eine Erzählung, die von fantastischen Begebenheiten berichtet, zum Beispiel Begegnungen mit Elfen, Naturgeistern oder sprechenden Tieren. Man unterscheidet zwischen Volksmärchen und Kunstmärchen. Bei Volksmärchen handelt es sich um mündliche Überlieferungen (die irgendwann aufgezeichnet wurden; zum Beispiel die Hausmärchen der Gebrüder Grimm), denen sich kein ursprünglicher Verfasser zuordnen lässt. Das Kunstmärchen dagegen hat einen namentlich bekannten Verfasser (zum Beispiel Hans Christian Andersen oder Ludwig Bechstein).
Im Gegensatz zu Legenden und Sagen, die einen wahren Kern enthalten, sind Märchen frei erfunden.

9 Historischer Roman
Das Prädikat „historisch“ und die entsprechende Einordnung in dieses Genre erhalten Romane und Geschichten, die in der Vergangenheit spielen, und zwar vor dem Jahr 1900. Von dieser Vorgabe abgesehen kann der Roman zur Zeit der Neandertaler spielen („Ayla und der Clan des Bären“ von Jean M. Auel), in der Römerzeit („Der Geschmack der Tollkirsche“ von Beate Sauer) oder unmittelbar vor der Wende zum 20. Jahrhundert. Alles, was nach 1900 beziehungsweise dem 2. Weltkrieg angesiedelt ist, gilt als zeitgenössischer Roman/Geschichte. Die Grenze in der Zeit zwischen 1900 und 1939 (Beginn des Zweiten Weltkrieges) ist fließend. In Einzelfällen kann auch ein in dieser Zeit spielender Roman noch als historischer Roman angesehen werden. Das entscheidet im Zweifelsfall der Verlag.

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Historischer Roman – Die Seifensiederin von Angeline Bauer

A. Historischer Roman:
Beim historischen Roman steht eine historische Persönlichkeit und/oder ein historisches Ereignis im Mittelpunkt. Hierbei wird das Geschehen aus der Perspektive eines fiktiven Helden in direktem Bezug zum historischen Geschehen thematisiert (zum Beispiel der Ausbruch des Vesuv, der Pompeji zerstörte). Oder die historische Persönlichkeit ist der Protagonist oder eine wichtige Nebenfigur der Geschichte.
Kennzeichnend für einen historischen Roman ist die geschichtliche Genauigkeit der geschilderten Ereignisse, Sitten, Bräuche, Kleidung etc. der beschriebenen Zeit. Ihn zu schreiben erfordert von den Autoren ein immenses Maß an Recherche. Ein gutes Beispiel für einen historischen Roman ist James Clavells „Shogun“, der das Leben des Seefahrers William Adams in Japan thematisiert (der im Roman „John Blackthorne“ heißt).

B. Historienroman/Historical (Romance)
Im Gegensatz zum historischen Roman handelt es sich beim Historical um einen Liebesroman, der in einer bestimmten geschichtlichen Epoche angesiedelt ist. Deren Beschreibung erhebt jedoch keinen Anspruch auf allzu große Authentizität. Diese Art des Romans thematisiert die Liebe eines meist ungleichen Paares, das über etliche Missverständnisse und Hindernisse zueinanderfindet, wobei eindeutige erotische Szenen erwünscht sind und als genretypisch gelten. Im Englischen wird dieses Genre als „Historical Romance“ bezeichnet. Eine bekannte Vertreterin ist Kathleen Woodiwiss („Shanna“, „Der Wolf und die Taube“).

C. Historienkrimi
Ein Krimi, der in einer bestimmten historischen Epoche angesiedelt ist. Hierbei wird wie beim historischen Roman Wert auf geschichtliche Genauigkeit gelegt. Die Handlung kann, muss aber nicht, einen Bezug zum politischen/kulturellen Geschehen der betreffenden Zeit haben. Berühmtester Roman dieses Genres ist Umberto Ecos „Der Name der Rose“ sowie die „Bruder Cadfael“-Bücher von Ellis Peters.

D. Historischer Krimi
Der historische Krimi befasst sich mit der fiktionalen Umsetzung realer Kriminalfälle, die sich vor dem 20. Jahrhundert ereigneten, hält sich aber eng an die historisch belegten Tatsachen. Auch hier wird großer Wert auf Authentizität gelegt. Viele Romane um Jack the Ripper gehören in dieses Genre.

E. Histo Melange
Dies ist ein „Zwittergenre“, bei dem – z. B. bei einer über mehrere Generationen dauernden Familiensaga – ein Teil des Geschehens in die moderne Zeit reicht und die klassische Grenze der historischen Zeit (bis ca. zum 2. Weltkrieg) überschreitet. Das „Problem“, wenn Ihr Roman, Ihre Geschichte so ein Zwitter ist, liegt darin, dass sowohl Verleger wie auch Buchhändler sich schwertun, eben deswegen sich auf eine Zielgruppe und somit Platzierung in den entsprechenden Regalen festzulegen.
10 Horror/Grusel
Dieses Genre hat es sich zum Ziel gesetzt, den Lesern die Haare zu Berge stehen zu lassen (von lat. horrere – schaudern, sich entsetzen). Dem entsprechend sind auch die Themen gewählt. Sie behandeln vordringlich Angst, Geistererscheinungen, Dämonen, Voodoo, Vampire, Werwölfe, Besessenheit, Ritualmorde, Exorzismus, Sukkubi und Inkubi (weibliche und männliche Dämonen, die sich vom Sex ernähren) und dergleichen mehr. Im Gegensatz zu ähnlichen Themen bei der Urban Fantasy liegt hier der Hauptaspekt auf den Abgründen der menschlichen Seele, der „dunklen Seite“ im Protagonisten oder Antagonisten und vor allem im Spiel mit den menschlichen Urängsten (zum Beispiel der Angst vor dem Tod). Ein moderner Meister dieses Genres ist Stephen King, einer der älteren Edgar Allan Poe.
Horror darf nicht mit der Schilderung besonders blutrünstiger Szenen verwechselt werden („Splatter“ – engl. „verspritzen“ – genannt, weil das Blut nur so spritzt), obwohl die in Einzelfällen und wohl dosiert durchaus effektvoll sein kann. Das Horrorelement ergibt sich aus dem Spiel mit den Ängsten: die Begegnung mit etwas Unbegreiflichem, von etwas/jemand Bedrohlichem verfolgt zu werden, eine Bedrohung, die man spürt, aber nicht sieht, Kontrollverlust (Ohnmachtgefühl), einem Feind (übernatürlichem Wesen) ausgeliefert zu sein oder das Gefühl, den eigenen Wahrnehmungen nicht mehr trauen zu können. Solche Dinge erzeugen im Buch oder Film Horror.
Im „Lexikon der Horrorliteratur“ werden für dieses Genre folgende Merkmale festgelegt: 1. Übernatürliches, 2. realistisch geschildertes Grauen, 3. psychologischer Grusel (wie Albträume, Wahnsinn, Besessenheit etc.), 4. Science Fiction Gruselgeschichten und 5. Groteskes, Skurriles, Surreales und Schwarzer Humor.
Archetypische Figuren des Horrorgenres sind Vampire, Werwölfe, Zombies (lebende Tote), Gespenster/Geister, ein Ort des Bösen, Doppelgänger (das böse Ich eines Menschen), Teufel und Dämonen.
Bram Stokers „Dracula“ ist ein klassischer Horrorroman, ebenso die „Cthulhu“-Reihe von H. P. Lovecraft. Zu den modernen Vertretern gehören Dean Koontz, Stephen King, Markus Heitz, Peter Straub.

A. Gothic
(engl. „mittelalterlich“) Dieses Genre lebt von der düsteren Umgebung, in der die Handlung angesiedelt ist. Dunkelheit, dunkle Kleidung, düstere Landschaften, Nebel, Höhlen oder Gewölbe und unerklärliche Ereignisse sind vorherrschend, auch wenn der Roman/die Geschichte in der heutigen Zeit spielt. Die Protagonisten (normalerweise männlich) sind in sich zerrissene Charaktere (frei nach dem Motto, dass „zwei Seelen in ihrer Brust wohnen“), die deshalb sowohl Gutes wie auch Böses in sich tragen und allzu häufig das Böse wählen.
Bei der Gothic Romance dreht sich die Handlung darum, einen solchen Protagonisten durch die unsterbliche Liebe zu erlösen und permanent zum Guten zu bekehren.

B. Graveyard
(engl. „Friedhof“) Bei diesem Genre dreht sich die Handlung um den Tod und das Grab/den Friedhof oder sie nimmt dort ihren Ausgang.

C. Horrorthriller
Ein Mixgenre, das eine klassische Thrillerhandlung (siehe Thriller) in ein Horrorszenario einbettet.
11 Humoristische/heitere Literatur
Dieses Genre bedarf eigentlich keiner näheren Erklärung. Es handelt sich dabei um Romane und Geschichten, deren Situationen uns zum Lachen bringen. Das Hauptmerkmal des heiteren Romans ist, dass sich der Humor aus ganz normalen Alltagssituationen entwickelt, in denen etwas schiefgeht, was zu weiteren Verwicklungen und neuen lustigen Begebenheiten führt. Am Ende löst sich alles im Happy End auf. Beispiele: „Wer hat meine Hemden geschrumpft? – Geschichten aus dem wahren Leben“ (Mark Spörrle), „Kaltduscher – Ein Männer-WG-Roman“ (Matthias Sachau) oder „Ich schenk dir meinen Mann“ (Claudia Keller).

A. Komödie
(griech. „singender Umzug“) Die Komödie ist die Urform der humoristischen Literatur, kommt aber ausschließlich als Theaterstück vor. Ihr Hauptmerkmal ist eine Handlung, die durch überzeichnende Darstellung menschlicher Schwächen die Zuschauer zum Lachen bringt. Sie kann durchaus kritische Untertöne enthalten. Bekanntes Beispiel: „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch. In der Belletristik hat die Satire den Platz der klassischen Komödie eingenommen.

B. Parodie
(griech. „Gegenlied“) Die Parodie ist eine verzerrende Übertreibung beziehungsweise verspottende Nachahmung einer Person oder mehrerer Personen. Auch ein literarisches Werk oder ganzes Genre kann parodiert werden. Durch überzeichnende Abwertung des Originals entsteht ein humoristischer Effekt. Der Unterschied zur Satire besteht darin, dass die Parodie sich niemals mit Gesellschaftskritik befasst. Beispiele: „Nick Knatterton“ (Manfred Schmidt) als Parodie auf Sherlock Holmes oder „Der Herr der Augenringe“ (Dschey Ar Tollkühn) als Parodie auf „Herr der Ringe“.

C. Satire
(Satira: lat. Bezeichnung für eine Anthologie von Spottgedichten) Kennzeichnend für dieses humoristische Genre, ist der (manchmal verletzende) Spott. Deshalb nannte man es früher auch „Spottdichtung“. Zu seinen Ursprungszeiten (Antike) bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts stand neben dem Anprangern gesellschaftlicher Missstände oft der Mangel an Tugend(en) einer bekannten Persönlichkeit oder eines Berufsstandes im Mittelpunkt. Heute liegt der Hauptaspekt mehr auf der Gesellschaftskritik oder Kritik an der Politik, obwohl bekannte Einzelpersonen immer noch ihr Fett abbekommen, wenn auch ihr mehr oder weniger tugendhaftes Verhalten dabei kaum noch eine Rolle spielt.
Der Satire begegnen wir heute hauptsächlich im Kabarett, im Karneval und in satirischer Lyrik.

12 Kinder- und Jugendliteratur
Die Kinder- und Jugendliteratur ist insofern ein eigenständiges Genre, da sie a) Kinder und Jugendliche in der Altersklasse der entsprechenden Zielgruppe als Protagonisten hat und b) Themen behandelt, die entweder die Kinder/Jugendlichen betreffen (bei zeitgenössischen Texten), also Identifikationsstoff bieten oder für sie von besonderem Interesse sind (abgestuft nach Altersgruppen). Davon abgesehen kann sie thematisch in jedem Genre angesiedelt sein (mit Ausnahme des erotischen Romans, der nicht für unter Achtzehnjährige freigegeben ist). Die primäre Zielgruppe für Jugendliteratur wird zwischen zwölf und achtzehn Jahren eingeordnet. Für die Zielgruppe unter zwölf Jahren wird ein Buch noch als Kinderbuch eingestuft. Doch auch hier sind die Grenzen fließend.

A. Coming of Age
(Englisch = volljährig/erwachsen werden) Dieses Genre kann auch mit zum Entwicklungsroman gezählt werden, denn es thematisiert fast immer die Entwicklung eines jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die Handlung dreht sich dementsprechend um die Probleme des Erwachsenwerdens, die Loslösung von den Eltern, die erste Liebe, den Einstieg ins Berufsleben und ähnliche Dinge. Am Ende tritt der gerade erwachsen oder (in der Pubertät) „nur“ reifer gewordene Protagonist verändert, innerlich gestärkt in seinen neuen Lebensabschnitt ein.
13 Kriminalroman
Die Bezeichnung „kriminal…“ stammt von lateinischen Wort crimen – „Beschuldigung, Verbrechen“. Im Kriminalroman/der Kriminalgeschichte geht es daher um die Aufklärung eines Verbrechens durch die Polizei, Privatermittler (Detektiv) oder Privatpersonen. „Krimi(nalliteratur)“ ist daher der Oberbegriff des gesamten Genres, das mehrere Subgenres repräsentiert.
Zusatzinformation: Der Kriminalroman heißt im britischen Englisch crime novel, im amerikanischen Englisch mystery novel.

A. Agenten-/Spionagekrimi
Hierbei dreht sich die Handlung weniger um konkrete Verbrechen (obwohl die zwangsläufig vorkommen; in der Regel Einbrüche, Datendiebstähle und auch Mord), sondern um das Gewinnen, Sichern und Verteidigen sensibler Daten und Informationen, die für das Land der Protagonisten oder einer bestimmten Personengruppe essenziell oder sogar existenziell sind. Meistens ist der Agentenkrimi actionreich, aber es gibt auch Werke, die den psychologischen Aspekt des Konflikts zwischen Protagonist und Antagonist herausstellen. Das klassische Beispiel für einen Agentenkrimi sind Ian Flemings „James Bond“-Geschichten.

B. Anwalts-/Gerichtskrimi
Dieses Subgenre ist eine Spielart, die fast ausschließlich von britischen und amerikanischen Autoren bedient wird. Die Handlung dreht sich um das Gerichtsverfahren, in dem das in der Regel zu Anfang des Romans bereits begangene Verbrechen aufgeklärt und der Schuldige ermittelt und bestraft werden soll. Normalerweise werden die Leser bis zum Schluss darüber im Unklaren gelassen, ob der Angeklagte tatsächlich der Täter ist oder nicht. Manche modernen Anwalts-/Gerichtskrimis thematisieren auch die psychologische Erklärung für die begangene Tat. In dieser Variante steht die Täterschaft des Angeklagten von Anfang an fest, und die Tat selbst tritt in den Hintergrund. Ein Meister des Gerichtskrimis ist der amerikanische Autor John Grisham („Die Jury“). Ein weiteres gutes Beispiel: das Theaterstück „Die zwölf Geschworenen“ von Reginald Rose.

C. Cosy Crime:
Dies ist die Bezeichnung für Kriminalromane, die auf übermäßige Gewalt und Action verzichten. Auch Sex kommt selten vor. Wenn er vorkommt, wird er in jugendfreier Form dargestellt oder nur angedeutet. Auf eine allzu deutliche Beschreibung wird verzichtet. Das englische Wort „cosy“ bedeutet „behaglich/gemütlich“, und die Handlungen von Cosy-Krimis sind genau das, wodurch sie keineswegs langweilig werden. Kennzeichnend für Cosy Crime ist, dass die Ermittler fast immer Amateure sind und die Handlung in einem beschaulichen Umfeld angesiedelt ist. Die Mörder – wenn Morde vorkommen – sind niemals Psychopathen oder Serientäter, sondern normale Mitglieder der Gesellschaft. Die Morde selbst geschehen oft unblutig durch Gift oder arrangierte Unfälle, und die Aufklärung kann durchaus heitere Komponenten besitzen. Prominenteste Vertreterin des Genres ist Agatha Christie.

D. Detektivroman/Ermittlerkrimi
(oder: „Whodunit“; Verballhornung der englischen Frage „Who’s done it?“ = Wer hat es getan?/Wer war ’s? Andere Schreibweise: „Whodunnit“) Der Protagonist dieses Subgenres ist ein professioneller Ermittler oder Hobby-Detektiv, der mal mit, mal ohne Hilfe der Polizei das dem Roman zugrunde liegende Verbrechen löst. Kennzeichnend für den Detektivroman ist, dass das Verbrechen bereits zu Beginn der Handlung abgeschlossen ist/wird und als solches ab da nicht mehr relevant ist. Die Arbeit des Detektivs wird im Detail beschrieben und beschränkt sich auf das Ermitteln des Täters und die damit verbundene Darlegung seiner Vergangenheit und seiner Motive, die zu dem Verbrechen geführt haben.
Die berühmtesten Beispiele für Detektivromane sind Agatha Christies Romane über Miss Marple und Hercule Poirot sowie Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes.

E. Ethno-Krimi
(Siehe auch Ethno-Literatur) Hauptmerkmal des Ethno-Krimis ist ein Protagonist, der einer bestimmten Volksgruppe angehört. Hierbei steht neben der Krimihandlung die für diese Volksgruppe typische Kultur mit authentischer Beschreibung der Sitten und Bräuche im Vordergrund. Oft dreht sich die Handlung um Verbrechen, die nur aufgrund dieser kulturellen Besonderheiten möglich sind. Die Handlung dreht sich entweder um den Protagonisten als Ermittler oder sie ist hauptsächlich oder sogar ausschließlich in der betreffenden Volksgruppe/Kultur angesiedelt.
Das beste Beispiel für Ethno-Krimis sind die Bücher von Tony Hillerman mit den beiden Polizisten Jim Chee und Joe Leaphorn von der Navajo Stammespolizei sowie die „Bones“-Serie um den Aborigines-Polizisten Napoleon „Bones“ Bonaparte von Arthur W. Upfield.

F. Gangsterkrimi
Wie der Name schon besagt, steht das Verbrechermilieu beim Gangsterkrimi im Mittelpunkt, und der Protagonist bewegt sich in der Regel ebenfalls in diesem Milieu. Meistens dreht sich die Handlung um den sich daraus ergebenden Konflikt mit der Polizei und endet oft damit, dass der Protagonist entkommt. Häufig endet ein solcher Roman allerdings auch mit der Inhaftierung oder sogar dem Tod des Protagonisten. Beispiel: „Der Pate“ (Mario Puzo)

G. Genusskrimi
Hierbei handelt es sich um ein relativ junges Subgenre, bei dem die Handlung in enger Verbindung mit dem Genuss von Essen und/oder Trinken steht, eventuell auch Kunst, Kultur oder Sex sowie andere möglichen (subjektiven) Genüsse. Das Verbrechen selbst kann, muss aber nicht damit in Zusammenhang stehen, sondern der Genuss kann auch mit dem Ermittler oder einer anderen wichtigen Person verknüpft sein, zum Beispiel in seiner Vorliebe für eine bestimmte Teesorte oder sein Leibgericht. Vertreter dieses Genres sind zum Beispiel Anni Bürkle (Tee) und Ralf Bernhardt (Whisky).

H. Hardboiled Krimi
(„hartgesottener“ Krimi) Der Hardboiled Krimi ist eine hauptsächlich amerikanische Literaturgattung, deren Protagonist ein (in der Regel männlicher) Ermittler (beamtet oder privat) ist, der sich bei seinen Ermittlungsmethoden den Teufel um Vorschriften und geltendes Recht schert und deshalb regelmäßig in Konflikt mit der Polizei oder seinen Vorgesetzten gerät. Seine Kennzeichen sind ein Hang zur Brutalität (Schlägereien, Schusswaffengebrauch), Saufereien und Neigung zum Zynismus. Berühmte Hardboiled Ermittler sind Sam Spade (von Dashiell Hammett), Philipp Marlowe (Raymond Chandler) und die Privatdetektivin V. I. Warshawski (Sara Paretzki).

I. Historischer Krimi
siehe Historischer Roman

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Historischer Krimi – Die Niemalsbraut von Angeline Bauer

J. Komischer Krimi
Beim komischen Krimi handelt es sich entweder um eine Parodie auf eine andere Krimigattung oder eine bekannte Krimipersönlichkeit (zum Beispiel Nick Knatterton als Parodie auf Sherlock Holmes), oder einzelne, recht häufig vorkommende Szenen haben deutlich und gewollt komische/lustige Einschläge. Ein Paradebeispiel hierfür ist „Der rosarote Panther“ (Marvin H. Albert) mit seinem trotteligen Inspektor Clouseau.

K. Okkult-Krimi
Beim Okkult-Krimi handelt es sich um einen Kriminalroman, der in jedem Krimi-Subgenre angesiedelt sein kann. Er thematisiert die Aufklärung eines Verbrechens, das einen Bezug zu einem oder seine Ursache in einem okkulten Phänomen hat (zum Beispiel Voodoo, Hexerei, Ritualmorde, Geisterbeschwörung, Seancen etc.). Im Unterschied zu pseudo-okkulten Romanen, bei denen sich am Ende herausstellt, dass die „magischen“ Ereignisse mit Hilfe von herkömmlichen (meist technischen) Tricks getürkt waren, sind im Okkult-Krimi die okkulten Phänomene und übersinnlichen Erscheinungen real, handelt es sich also um echte Magie, Geistererscheinungen, Dämonen etc. Variante: der Ermittler ist ein „magisches“ Wesen wie Vampir, Dämon, Werwolf usw.
Literarische Beispiele sind die inzwischen eingestellte Heftromanserie „Gespenster-Krimi“ des Bastei-Verlages oder die Serie „Schattenwolf“ beim Online-Magazin „Geisterspiegel“, deren Hauptperson und Ermittler ein Werwolf ist. Aus dem Filmbereich: „Nick Knight, der Vampircop“.

L. Pathologiekrimi
Dieses Subgenre müsste korrekt „Rechtsmedizinerkrimi“ heißen, denn die Mediziner, die die durch Verbrechen zu Tode gekommenen Leichen obduzieren, sind Rechtsmediziner, keine Pathologen. (Letztere sind – in Deutschland – ausschließlich für die Untersuchungen von Toten zuständig, die an einer Krankheit gestorben sind und arbeiten in Krankenhäusern, nicht in der Rechtsmedizin. Außerdem erhält der Pathologe eine ganz andere Facharztausbildung als der Rechtsmediziner.) Trotz der falschen Genrebezeichnung sind die Protagonisten dieses Subgenres die Rechtsmediziner, deren akribische und vor allem authentisch geschilderten Methoden entscheidend zur Lösung des Verbrechens beitragen. Beispiele: Die Tempe-Brennan-Romane von Kathy Reichs, die Serie um Dr. Samantha Ryan (Nigel McCrery) oder die Fernsehserie „Der letzte Zeuge“.

M. Polizeikrimi
Hierbei handelt es sich um einen Ermittlerkrimi, bei dem die (möglichst authentische) Polizeiarbeit im Mittelpunkt steht und die Protagonisten Polizeibeamte sind. Berühmtester Vertreter dieser Gattung: Kommissar Maigret von George Simenon. In modernen Polizeikrimis werden die Ermittlungen jedoch nicht (mehr) von einem Einzelnen, sondern von Ermittlerteams durchgeführt.

O. Psychokrimi/psychologischer Krimi
Bei dieser Variante steht nicht das Verbrechen und/oder dessen Aufklärung im Vordergrund, sondern die Psyche von Täter und/oder Opfer und es werden die psychologischen Hintergründe der Tat beleuchtet. Eine andere Form des Psychokrimis konzentriert sich auf das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Ermittler beziehungsweise zwischen Täter und Opfer. (Hier ist der Übergang zum Psychothriller fließend.) Beim Psychokrimi weiß der Leser von Anfang an oder ahnt schon recht früh im Verlauf der Handlung, wer der Täter ist. Im Gegensatz zum Psychothriller (siehe dort) fehlt dem Psychokrimi aber die für Thriller typische geballte Action.

P. Regio(nal)krimi
Die meisten Romane (nicht nur Kriminalromane) spielen an einem einzigen Ort, in einer (manchmal fiktiven) Stadt und/oder Region. Abstecher in andere Städte/Regionen im Zuge der Handlung kommen hin und wieder vor. Das Kennzeichen des Regionalkrimis ist nicht nur, dass er ausschließlich in einer bestimmten Stadt/Region spielt. Seine Handlung lebt teilweise davon. Verlage und Leser wünschen sich von Regionalkrimis, dass
a)    die Örtlichkeiten (nicht nur Straßen und ihre Namen) real und so genau beschrieben sind, dass man diese Teile des Krimis als „Reiseführer“ in der entsprechenden Stadt/Region benutzen könnte (obwohl Kritiker lästern, dass manche Regiokrimis „Stadtpläne in Prosa“ seien);
b)    regionalspezifisches Lokalkolorit eingebracht wird, was typische Verhaltensweisen des dort beheimateten Menschenschlages, regionale Küche, Bräuche, gesellschaftstypische Gegebenheiten oder Lokalpolitik betrifft;
c)    regionaltypischer Dialekt in der wörtlichen Rede vorkommt – aber sparsam dosiert! Wenn die Leser ein Wörterbuch brauchen, um diese Textstellen zu übersetzen, verlieren sie die Lust am Lesen. (Romane, die hauptsächlich im ortstypischen Dialekt geschrieben sind, gelten als „Mundartliteratur“. Die hat jedoch nur eine relativ kleine Lesergemeinde).
d)    sie – wegen der Identifikationsmöglichkeit mit den realen Orten – immer in der Gegenwart spielen.

Q. Romantic Suspense
(engl. „romantische Spannung“) Bei diesem Subgenre steht die Liebesbeziehung der beiden Protagonisten im Vordergrund, weshalb es auch mit zu den Liebesromanen gerechnet werden kann. Die Protagonisten lernen sich durch den Kriminalfall beziehungsweise das Verbrechen kennen, stehen vielleicht sogar am Anfang auf verschiedenen Seiten. Das Happy End wird jedoch durch die Lösung des Falles ermöglicht.

R. Schwarze Serie/Roman noir
Unter diesem Begriff werden die Hardboiled Krimis der 1960er, 70er und 80er Jahre zusammengefasst, deren Protagonisten die „einsamen Wölfe“ mit (Alkohol-)Problemen und zynischer Weltsicht sind.
14 Liebesroman (LiRo)
Jeder kennt die klassische Lovestory: Zwei Menschen verlieben sich und wollen ein gemeinsames Leben aufbauen. Bevor sie jedoch zum Traualter/Standesamt schreiten können, gibt es noch eine Menge Hindernisse zu überwinden, bestehend aus Missverständnissen, Intrigen, missgünstigen Nebenbuhlern oder Nebenbuhlerinnen oder Schicksalsschlägen. Mehrmals droht die Beziehung zu scheitern, doch am Ende siegt die Liebe, und sie leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.
Nach diesem Strickmuster sind fast alle Liebesromane aufgebaut, obwohl natürlich in jedem anderen Genre auch eine Liebesgeschichte eine Rolle spielen kann. So gewann zum Beispiel im Jahr 2009 ein Kriminalroman, der auch eine Liebesgeschichte beinhaltet („Der Traum vom Tod“ von Britt Reissmann), den alljährlich ausgelobten DeLiA-Literaturpreis (DeLiA: Vereinigung Deutscher Liebesroman-Autorinnen) für den besten Liebesroman.
Grundsätzlich werden Liebesromane in die folgenden Kategorien eingeteilt.

A. Contemporary
(engl. „zeitgenössisch“) Hierzu zählen alle Liebesromane, die in der heutigen Zeit oder in der jüngeren Vergangenheit spielen. Die historische Grenze wird (ungefähr) beim Zweiten Weltkrieg gezogen. Alle zeitlich ausschließlich davor angesiedelten gelten als historische Liebesromane beziehungsweise Historicals (siehe dort).

B. Dark Romance
Dark Romance ist ein Subgenre der Urban Fantasy (siehe dort). Es handelt sich um eine Liebesgeschichte (mit durchaus erwünschten erotischen Szenen), die im fantastischen Bereich angesiedelt ist und in der Gegenwart spielt. Die Heldin begegnet einem geheimnisvollen Mann, der sich als Vampir, Werwolf, Dämon, Gestaltwandler oder Ähnliches mit einer charakterlich durchaus dunklen Seite entpuppt, und fühlt sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen. Es gibt aufgrund seiner Natur Konflikte, die ihre Liebe scheitern zu lassen drohen, doch am Schluss folgt das Happy End.

C. Erotischer Roman
Hier liegt ein Hauptaspekt der Liebesgeschichte auf der sexuellen Komponente, die auch recht freizügig geschildert wird. Der Grad zur Pornografie ist schmal, doch gibt es zwei gravierende Unterschiede. Beim erotischen Roman ergibt sich der Sex aus der aus der Handlung entstehenden Spannung zwischen den Protagonisten als logische Konsequenz daraus. Zweitens bleiben beide Partner gleichberechtigt in ihren Wünschen und Bedürfnissen und gehen aufeinander ein. Beim pornografischen Roman werden Sexszenen um des Sexes Willen aneinander gereiht, und die (meistens recht dürftige und oft unlogische) restliche Handlung dient nur dazu, die Lücken zu füllen und zur nächsten Sexszene überzuleiten. Zudem befindet sich die Frau fast ausschließlich in der Rolle des Objekts zur Befriedigung der Bedürfnisse des Mannes.

D. Historical Romance/Historical
siehe Historischer Roman

E. Lovescape/L&L
Das Wort ist eine Zusammensetzung aus „Love and Landscape“ (Liebe und Landschaft, deshalb auch oft nur „L&L“ genannt). Dieses Subgenre bezeichnet eine Liebesgeschichte, die in einer besonders schönen oder exotischen Landschaft angesiedelt ist, welche neben der Handlung einen großen Raum einnimmt. Meistens lebt die Geschichte von der Landschaft, in der sie spielt. Die Romane von Rosamunde Pilcher gehören zu diesem Genre.

F. Mystic oder Magic Romance
Dies ist die „lichte“ Seite der Dark Romance. Die Heldin verliebt sich in einen Mann, der über magische/übernatürliche Kräfte verfügt, die er zum Guten nutzt. Der Mann ist weder Vampir, noch Werwolf, Dämon oder ein anderes magisches Geschöpf. Ansonsten ist das Strickmuster mit dem der Dark Romance identisch. Beispiel: Die „Raintree“-Trilogie des Autorinnen-Trios Linda Howard, Linda Winstead Jones und Beverly Barton.

G. Paranormal Romance
Eine Liebesgeschichte, bei der mindestens einer der beiden Beteiligten paranormale Fähigkeiten hat, zum Beispiel Telepath ist, teleportieren kann oder andere sogenannte Psi-Fähigkeiten besitzt, die aber nichts mit Magie zu tun haben. Die Probleme und Konflikte ergeben sich u. a. aus diesen Fähigkeiten. Oft ist das Geschehen mit einer Krimihandlung verknüpft, kann aber auch in anderen Genres angesiedelt sein. Die Liebesgeschichte ist dabei aber immer der Hauptaspekt. Beispiel: Mary Stewarts „Rühr nicht die Katze an“.

H. Regency Romance
Eine Liebesgeschichte, die in Adelskreisen zur Zeit von 1811-1820 bzw. in der Regierungszeit George IV. angesiedelt ist („Regency“ = engl. „Regentschaft“). Oft spielen diese Romane in England, seltener in Frankreich oder Deutschland. Die Subthemen sind vielfältig, aber immer dreht sich die Handlung darum, dass das Liebespaar entgegen aller Widrigkeiten zueinander findet. Entweder steht die Heirat (beschrieben oder nur beschlossen) am Ende des Romans oder sie beginnt damit, dass ein Paar, das sich nicht oder kaum kennt, aus Vernunftgründen heiratet und die Liebe zueinander erst im Laufe der Handlung (gespickt mit vielen Missverständnissen oder Intrigen) entwickelt.

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Regency-Roman von Sophia Farago

I. Romance
Im Englischen ist „Romance“ der Oberbegriff für alle Arten von Liebesromanen, im „Denglischen“ (das englische Begriffe nur allzu oft in einen falschen Kontext bringt, der mit der korrekten Bedeutung nicht viel zu tun hat) bezieht er sich auf Liebesromane ohne sexuelle Komponenten. Im Gegensatz zum Contemporary und Historical, wo die Schilderungen der Liebesszenen nicht vor der Schlafzimmertür enden, gibt es beim klassischen (denglisch bezeichneten) Romance-Roman nur die keusche Romanze, und die Autoren schließen die Schlafzimmertür vor unserer Nase, wenn es interessant zu werden verspricht. Wie der Historical spielt aber auch der (denglische) Romance-Roman in der Vergangenheit. Berühmteste Vertreterin dieses Genres ist die „Queen of Romance“: Barbara Cartland.

J. Time Travel
(engl. „Zeitreise“) Hierbei handelt es sich um eine moderne Form des Liebesromans, bei dem die Heldin durch irgendein Ereignis (Zeitportal) in die Vergangenheit versetzt wird und dort den Mann ihres Lebens trifft. Die Konflikte ergeben sich, zusätzlich zu den für den Liebesroman üblichen, aus den kulturellen Differenzen der beiden Protagonisten. Bekannteste Vertreterin dieses Genres ist Diana Gabaldon („Feuer und Stein“).

K. Tragischer Liebesroman
Dies ist der einzige Liebesroman ohne Happy End. Er endet immer tragisch mit der Trennung der Liebenden, sei es durch den Tod, das Schicksal, falsche Entscheidungen oder die Lebensumstände beider oder eines der beiden. „Die Brücken am Fluss“ (Robert James Waller) und „Message in A Bottle“ (Nicholas Sparks) gehören in dieses Genre.
15 Mystery
Der Begriff „Mystery“ für dieses Genre ist mehrdeutig. Im Deutschen haben Mystery-Romane immer mystische Themen zum Inhalt, die sich um übernatürliche Phänomene drehen. (Bisher ungeklärt ist die Frage, warum man das Genre nicht von Anfang an korrekt „Mysterienliteratur“ genannt hat.) Im amerikanischen Englisch ist mystery novel ein Kriminalroman, im britischen kann (!) er sich auch auf Kriminalromane beziehen, meint aber meistens Romane, in denen es um Unheimliches und Übernatürliches geht. Die korrekte englische Bezeichnung für dieses Genre ist aber sowohl im Britischen wie Amerikanischen weird novels/stories oder es wird zum Horrorgenre gezählt.
Der Unterschied zur Horrorliteratur liegt darin, dass erstens das klassische Schwarz-Weiß-Schema (Gut und Böse) aufgehoben ist. Bedrohliche Erscheinungen wie zum Beispiel Gespenster können im Mystery-Roman durchaus als Beschützer oder Übermittler wichtiger Botschaften auftreten, was die Protagonisten aber meistens erst gegen Ende des Romans begreifen. Ein häufiges Thema ist, dass Geister/Untote die Lebenden dazu benutzen, an ihnen begangenes Unrecht (zum Beispiel ihre Ermordung) aufzudecken und den Täter zur Rechenschaft zu ziehen.
Mystery-Romane können sowohl in der Gegenwart wie auch in der Vergangenheit spielen.

A. Mystery Thriller – siehe Thriller

B. Mystic Romance – siehe Liebesromane
16 Science Fiction
Science-Fiction (kurz SF oder SciFi) kann man mit „wissenschaftliche Dichtung“ übersetzen. Dieses Genre spielt mit wissenschaftlichen, oft technischen Möglichkeiten und ist in der näheren oder ferneren Zukunft angesiedelt, weshalb sie auch „Zukunftsliteratur“ genannt wird. Ihre Themen sind in einer Gesellschaft angesiedelt, in der wissenschaftliche und technische Möglichkeiten, die in unserer Welt und Gesellschaft (gegenwärtig noch) undenkbar sind, in die dortige Realität umgesetzt werden, zum Beispiel überlichtschnelle Raumflüge oder ein Transporter, der Dinge in seine Atome zerlegt, abstrahlt und an einem anderen Ort wieder zusammensetzt.
Beschrieben werden die Auswirkungen der vorhandenen fiktiven Technologien und Gesellschaftsstrukturen auf die Bewohner und die sich daraus ergebenden Konflikte. Zwar treten bei der SF häufig fremde Völker auf, die auf anderen Planeten beheimatet sind, aber niemals bekannte Fabel- oder Fantasywesen wie Elfen oder Drachen. Klassische SF ist zum Beispiel „Raumschiff Enterprise“ oder „Alien“.

A. Dystopie
(griech. „schlechter/übler Ort“) Bei der Dystopie handelt es sich um eine in der Zukunft oder einer fiktiven Gegenwart spielenden Geschichte, die negativ endet oder eine (apokalyptische) Endzeitgeschichte. Dystopische Geschichten dienen den Autoren häufig dazu, die Folgen negativer Entwicklung in der realen Gesellschaft aufzuzeigen. Beispiel: „Die Tribute von Panem“ (Suzanne Collins).

B. Eutopie
(griech. „guter Ort“) Eutopien beschreiben fiktive zukünftige Gesellschaftsformen, in denen alle positiven Bestrebungen der Menschheit in sozialer, politischer und kultureller Hinsicht bestmöglich entwickelt sind. Als literarische Form eignet sich die Eutopie fast ausschließlich für Kurzgeschichten, da ihr aufgrund ihrer ideal entwickelten Gesellschaftsformen das Konfliktpotenzial fehlt. Einzige Ausnahme wäre die Beschreibung, wie dieser ideale Zustand nach unzähligen Konflikten entwickelt wird.

C. Explorer SF
(Entdeckungs-/Erforschungs-SF) Die Explorer SF kann sowohl in der Soft SF (siehe Punkt G) wie auch in der Military SF (siehe Punkt E) angesiedelt sein. Das Grundthema ist ein Raumschiff oder eine ganze Flotte, das/die von der Erde ausgesandt wird, um ferne Welten zu erforschen oder zu besiedeln. Dabei stoßen sie auf Aliens, woraus sich die unterschiedlichsten Konflikte ergeben, die den Kernpunkt der jeweiligen Handlung bilden.

D. Hard SF
Dieses Subgenre beschäftigt sich mit Themen, die sich eng an die Wissenschaft halten beziehungsweise wissenschaftliche Details und Erfindungen in den Mittelpunkt stellen (zum Beispiel Gentechnik, Roboter etc.) und mit deren Möglichkeiten fiktional spielen. Die dargestellten „Wissenschaften“ müssen nicht zwangsläufig der Realität oder realen Möglichkeiten entsprechen. Beispiel: Überlichtgeschwindigkeit ist technisch nicht machbar, kommt aber in fast jeder Raumfahrer-SF vor.
Die Wissenschaft steht im Mittelpunkt der Handlung oder spielt eine tragende Rolle, hinter der manchmal die Charaktere zurückstehen. Klassische Hard- SF-Autoren sind Isaac Asimov („I, Robot“) und Arthur C. Clarke („2001 – Odyssee im Weltraum“).

E. Military SF
(Militärische SF) Bei diesem Subgenre dreht sich die Handlung um kriegerische Auseinandersetzungen. In der Regel wird die Erde gegen feindliche Außerirdische verteidigt, weshalb die Handlungen in ihrem Aufbau dem klassischen Abenteuerroman ähneln. Military SF findet sich häufig im Bereich des Heftromans, zum Beispiel den Serien „Sternenfaust“ und „Perry Rhodan“ des Bastei-Verlags.

F. Science-Fiction-Thriller
siehe Thriller

G. Soft SF
Bei der Soft SF stehen die Geisteswissenschaften im Mittelpunkt und/oder gesellschaftliche, politische oder philosophische Themen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Ausarbeitung und Charakterisierung der handelnden Personen. Die Themen sind eingebunden in futuristische Gesellschaften der Erde oder Gesellschaftssysteme auf anderen Planeten (zum Beispiel die „Dune“-Serie von Frank Herbert). Ethische Aspekte und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft spielen eine tragende Rolle.

H. Steampunk
(engl. „Dampfzündung“) Die Steampunk Fiction ist in einer fiktiven Welt angesiedelt, deren Ambiente oft dem des viktorianischen Zeitalters entspricht. Sämtliche Maschinen (Eisenbahnen, Raumschiffe, Computer, fantastische Maschinen etc.) werden mit Dampfkraft („steam“ = „Dampf“) betrieben, haben aber eine Kapazität und Funktionalität, die der der entsprechenden Geräte unserer modernen Zeit in nichts nachstehen. In manchen Steampunk-Welten existiert zusätzlich Magie. Die Themen variieren stark, sind aber dadurch gekennzeichnet, dass die besagten Maschinen eine tragende Rolle spielen. Bekannteste Vertreter des Genres: Paula Volsky, Michael Moorcock, Philipp José Farmer.

I. Utopie
(griech. „das Nichtörtliche“) Utopische Romane beschreiben eine Wunschwelt oder eine Wunschgesellschaft, die zwar denkbar, aber nicht unbedingt realisierbar ist. Thema ist in der Regel ein sich aus dieser Gesellschaftsform entwickelnder Konflikt. Der utopische Roman spielt nicht zwangsläufig in der Zukunft.
17 Spannungsroman
Beim Spannungsroman sind die Übergänge zu anderen Genres fließend. Er wird meistens als Subgenre genannt, denn er kann in fast jedem Genre angesiedelt sein einschließlich der Jugendliteratur. So sind zum Beispiel Krimis immer auch Spannungsromane, aber nicht jeder Spannungsroman ist ein Krimi. Beim Spannungsroman muss nicht zwangsläufig ein Verbrechen geschehen beziehungsweise sich die Handlung um ein solches drehen. Kennzeichnend für einen Spannungsroman ist, dass der Protagonist in einen Konflikt gerät, der meistens auch ein Gefahrenpotenzial beinhaltet. Die Leser wissen bis zum Schluss nicht, ob die Sache für ihn gut oder schlecht ausgeht.
Man unterscheidet zwischen Entscheidungs- und Erklärungsspannung. Bei der Entscheidungsspannung steht der Ausgang des Konflikts zwischen Protagonist und Antagonist im Mittelpunkt, bei der Erklärungsspannung die Erklärung/Aufklärung einer Handlung, eines Rätsels, eines Verhaltens (zum Beispiel die Aufklärung eines Verbrechens im Krimi).
Die jeweilige Spannung wird dadurch erzeugt, dass die Leser nicht wissen oder nicht erahnen können, wie die Geschichte weitergeht oder ausgeht, zum Beispiel dadurch, dass der Protagonist (mehr oder weniger) ständig in Gefahr schwebt. Beispiel: Gerade ist der Held einem Attentat entkommen, aber der Attentäter wurde nicht gefasst und wird es garantiert noch ein zweites, drittes, viertes Mal versuchen, bis er entweder sein Ziel erreicht hat oder geschnappt wird.
Der Aufbau des Spannungsromans gliedert sich in Anspannung (der Konflikt baut sich auf, wird angedeutet), Verwicklung (die geplante oder bereits angedeutete Lösung wird durch unvorhergesehene Ereignisse/widrige Umstände immer wieder verzögert und/oder zerstört) und Auflösung des Konflikts, die nicht zwangsläufig ein Happy End für den Protagonisten bringen muss.
18 Tatsachenroman
Die Themen von Tatsachenromanen und –geschichten sind fiktiv geschilderte oder mit Fiktion ausgeschmückte Begebenheiten, die auf realen Ereignissen basieren oder sich mit realen Personen befassen. Ein Tatsachenroman kann in jedem Genre angesiedelt sein mit Ausnahme von Fantasy, Science Fiction und allen dazugehörigen Subgenres. Der Prozentsatz der enthaltenen Tatsachen reicht von wenigen Prozent im einstelligen Bereich bis 90 Prozent. Bekanntes Beispiel: „Tannöd“ von Andrea Schenkel.

19 Thriller
Das englische Wort „thrill“ bedeutet „packen, erregen“ oder auch „Erregung“, und „thriller“ wird oft mit „Reißer“ übersetzt. Der Thriller (Roman wie Film) lebt von meistens actiongeladener Spannung und kann sowohl im Krimi wie auch in anderen Genres angesiedelt sein. Steht beim klassischen Kriminalroman und den meisten seiner Unterarten die Aufklärung des Verbrechens im Mittelpunkt, so geht es beim Thriller in erster Linie darum, dass die Protagonisten von ihren Gegenspielern seelische, körperliche oder moralische Gewalt erleben. Und nicht jeder Thriller hat ein Happy End. Dan Brown, Ken Follett und Patricia Highsmith sind Vertreter dieses Genres.

A. Action-Thriller
Der (körperliche) Kampf gegen und der Sieg über den Widersacher (einschließlich damit verbundener Action und Gewalt) bilden den Hauptaspekt der Handlung. Der Erzählstil ist rasant. Psychologische Aspekte der Figuren treten in den Hintergrund. Kampfszenen und Verfolgungsjagden sind vorherrschend. Die Jason-Bourne-Romane von Robert Ludlum sind typische Beispiele.

B. Mystery Thriller
Hier wird das Thriller-Element (Action- oder Psychothriller) auf eine mystische Handlung übertragen, die auch zum Genre Horror/Grusel gehören kann und in der Regel eine Mischung aus Krimi, Fantasy und Horror darstellt. Beispiele für dieses Subgenre sind die Romane zur Serie „Akte X“ oder Fernsehfilme wie „The Sixth Sense“.

C. Öko-Thriller
Dieses Subgenre lässt sich mit der Formel „Mensch gegen Natur“ zusammenfassen. In der jeweiligen Geschichte gibt es eine Naturkatastrophe oder ein ungewöhnliches und bedrohliches Ereignis (durch Klima, Tiere, Erdbeben etc.). Es gilt, die Ursachen zu finden und zu beseitigen, die sich gewöhnlich als durch schädliche, von Menschen verursachte Eingriffe ins ökologische Gleichgewicht herausstellen. Die Handlung lebt von der entsprechenden Action sowie den Konflikten mit den (fast immer uneinsichtigen) Verursachern der Katastrophe. Vertreter dieses Genres sind Autoren wie Frank Schätzing („Der Schwarm“) oder Bernhard Kegel („Der Rote“).

D. Politthriller
Eine Thrillerhandlung, die im politischen Milieu angesiedelt ist. Die Handlung spielt sich auf staatlicher Ebene ab beziehungsweise hat Relevanz dazu. Beliebte Themen sind Terrorismus, Erpressung von Politikern und Verschwörungsthemen, aber auch Spionage. John Le Carré, Tom Clancy und Frederick Forsyth gelten als typische Vertreter.

E. Psychothriller
Ein Thriller, bei dem die psychischen Konflikte der handelnden Personen im Vordergrund stehen. Stark thematisiert wird die Vorgeschichte, die zu dem Konflikt geführt hat. Gedanken und Gefühle einer Person werden so geschildert, als würde sie diese gerade in dem Moment erleben und fühlen, wobei diese Schilderung nicht immer geordnet sein muss. Ein gutes Beispiel für Letzteres ist die Schlussszene in dem Film „Psycho“ von Alfred Hitchcock. Darin sitzt Norman Bates reglos in seiner Zelle und denkt mit der Stimme seiner toten Mutter. Sehr gute Beispiele für Psychothriller sind die Bücher von Sebastian Fitzek („Der Seelenbrecher“, „Splitter“).

F. Romantic Thrill(er)
Ein Thriller mit einer ausgedehnten Liebesgeschichte, bei dem sich ein Teil der Konflikte aus der Liebesgeschichte ergibt oder das Verbrechen damit in direktem Zusammenhang steht, eventuell sogar darin seine Ursache hat. Bekannte Vertreter dieses Genres sind Michelle Raven und Ursula Isbel.

G. SciFi-Thriller
(Science-Fiction-Thriller) Die Thrillerhandlung ist in der Zukunft und/oder einer fremden Welt angesiedelt. Die in dieser Welt/Gesellschaft futuristischen und/oder technischen Möglichkeiten oder utopischen Gesellschaftsstrukturen spielen eine tragende Rolle. Bekannte Beispiele sind „Minority Report“ (Philip K. Dick) und „Blade Runner“ (Philip K. Dick).

H. Techno-Thriller/Hightech-Thriller
Klassische Thriller, deren Handlungsschwerpunkt auf Technik, besonders auch Waffentechnik liegt. Deshalb sind die Handlungen meistens im militärischen Bereich angesiedelt, spielen aber auch generell mit technischen Möglichkeiten wie der Entwicklung von Robotern, Naniten und ähnlichen Dingen. Beispiele (aus dem Filmbereich) sind „Das fliegende Auge“ oder die Serie „Bionic Woman“.
20 Western und Indianerroman
Sowohl der Western wie auch der Indianerroman sind Sonderformen des historischen Romans. Auch hier gibt es große Unterschiede hinsichtlich der Authentizität und historischen Genauigkeit, die aber im Gegensatz zum Bereich des historischen Romans keine eigene Unterteilung in entsprechende Subgenres haben.

A. Western
Der Western spielt ausschließlich im 19. Jahrhundert in Nordamerika. Die Handlung ist meistens frei erfunden, obwohl historische Persönlichkeiten und Ereignisse durchaus vorkommen können. Thematisiert wird die Besiedlung des Westens durch Einwanderer oder Siedler aus dem Osten der heutigen USA, Zwist zwischen Viehzüchtern (wegen Weideland und/oder Wasserrechten; sehr beliebt ist auch der oft tödlich verlaufende Streit zwischen Rinder- und Schafzüchtern), der Bau der Eisenbahnlinie (Union Pacific), Outlaw-Geschichten (zum Beispiel Jesse James oder Billy the Kid), Indianerkriege, Leben und Konflikte auf einer Ranch, Texas Ranger (oder andere Gesetzeshüter wie zum Beispiel Wyatt Earp), Goldrausch, das Leben als Trapper oder Rache für erlittenes Unrecht. Beim reinen Western ist der Held immer ein Weißer. Als Urform des Westerns gelten James Fenimore Coopers „Lederstrumpf-Geschichten“. Die bekanntesten modernen Autoren sind Louis L’Amour, im deutschsprachigen Bereich Alfred Wallon und Dietmar Kuegler.

B. Indianerroman:
Gegenüber dem Western spielt/spielen im Indianerroman ein Indianer oder mehrere oder ein ganzer Stamm die Hauptrolle. Außerdem beschränkt sich dieses Genre nicht auf Nordamerika, sondern schließt die südamerikanischen Ureinwohner mit ein. Beim Indianerroman wird neben der Haupthandlung großer Wert auf die Schilderung des Alltagslebens der einzelnen Stämme gelegt. Leider bleibt bei manchen Autoren dabei die Authentizität auf der Strecke.
Indianerromane spielen zeitlich zwischen dem 16. Jahrhundert (der Entdeckung Amerikas durch Columbus) und dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Ausnahmen gibt es für Südamerika. Romane, die in den Kulturen der Inka, Maya, Azteken etc. angesiedelt sind, reichen bis ins 12. Jahrhundert zurück.
Die Themen sind entweder Stammeskriege, Liebesgeschichten, Konflikte mit den Weißen oder die „Vision Quest“ (die traditionelle Visionssuche als Initiationsritus). Im Bereich der südamerikanischen Indianerromane kommt auch eine Krimihandlung als Thema vor.
Je nach der verwendeten Perspektive kann dasselbe Thema ein Western oder ein Indianerroman sein. Die Schlacht am Little Big Horn aus der Sicht eines weißen Soldaten erzählt ist ein Western. Dieselbe Schlacht mit einem Indianer als Protagonisten ist ein Indianerroman. Aber auch hier sind die Grenzen oft fließend.