Ein Autorenleben ist gespickt mit Ärgernissen – oder?

Schlechte Rezensionen, nervige Lektoren, enttäuschende Cover – ein Autorenleben ist gespickt mit Ärgernissen. Zum Glück gibt es Autorenvereinigungen, da sind wir unter uns und können uns den Frust von der Seele quatschen.

Zum Glück! Doch nachdem einige Kolleginnen und Kollegen in über Tage hinweg Probleme gewälzt hatten, schrieb eine von ihnen ganz verzweifelt: „Hat denn niemand von euch etwas Positives zu vermelden? – Lasst uns doch auch mal wieder Hurra schreien!“

Hm, dachte ich mir, stimmt schon, das ständige Schwarzsehen und der ewige Ärger machen einen ganz mürbe. Andererseits fiel mir gerade auch nichts Positives ein. Allerdings erinnerte ich mich an ein afrikanisches Märchen, das ich passend fand, und das mich tröstet , wenn’s mal allzu dicke kommt.

Durch eine Oase ging ein finsterer Mann – Ben Sadok. Er war so gallig in seinem Charakter, dass er nichts Gesundes und Schönes sehen konnte, ohne es zu verderben.
Am Rand der Oase stand ein junger, palmen-am-rande-einer-oasegesunder und schöngewachsener Palmbaum. Der stach dem finsteren Mann in die Augen. Da nahm er einen schweren Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem bösen Lachen ging er weiter. Die junge Palme schüttelte sich und bog sich und versuchte, die Last loszuwerden. Vergebens. Zu fest saß der Stein in ihrer Krone! Da krallte sich der Baum tiefer in den Boden und stemmte sich gegen die steinerne Last. Er senkte seine Wurzeln so tief, dass sie die verborgene Wasserader der Oase erreichten, und stemmte den Stein so hoch, dass die Krone über jeden Schatten hinausreichte. Wasser aus der Tiefe und Sonnenglut aus der Höhe machten eine königliche Palme aus dem jungen Baum.
Nach Jahren kam Ben Sadok wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu erfreuen, den er verdorben glaubte. Er suchte vergebens. Da senkte die stolze Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte: „Ben Sadok, ich muss dir danken, deine Last hat mich stark gemacht.“

Damit will ich jetzt nicht sagen, dass die Kollegin nicht Recht gehabt hatte, als sie sagte: „Lasst uns doch auch mal wieder Hurra schreien!! Aber es gibt halt so Zeiten … Und die Geschichte zeigt, dass irgendwie alles einen Sinn hat, auch wenn wir ihn nicht sofort erkennen können.

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