Santorini – das Leid der Esel

Nach Santorini kommt man zumeist mit dem Schiff. Zauberhaft liegt die griechische Insel in der Sonne. Die beiden Hauptorte Fira und Oia thornen 400 Meter hoch auf der Inselspitze, ihre weißen Häuser leuchten vor tiefblauem Himmel. Und da muss man nun hinauf …! Es sind 589 Stufen vom Hafen bis nach oben, die bewältigt werden müssen. Zu Fuß will die keiner gehen, also lässt man sich von Pferden, Eseln und Mulis hinauftragen.

In den Reiseführern steht, es sei ein Spaß, ein Erlebnis, und die ‘traditionelle‘ Art, den Ort zu erreichen. Letzteres stimmt so nicht, denn einst, als es noch keinen Tourismus gab, gingen die Menschen zu Fuß und führten ihre Esel, die sie am Hafen mit Lasten beladen hatten.

Ein Spaß mag es für manchen vielleicht sein, ganz sicher aber nicht für die Tiere! Denn sieht man genauer hin, stellt man fest, wie sehr sie leiden müssen. In sengender Hitze schleppen sie täglich Hunderte Touristen den steilen Berg hinauf. Manche von ihnen, die gerade nicht ‘in Betrieb‘ sind, lehnen dann erschöpft an der Mauer und versuchen ein wenig zu schlafen. Andere bluten unter ihrem Sattel, sind vom Halfter aufgeschürft oder haben sich am Huf verletzt. Oft sind sie durstig und bekommen für ihre Schufterei viel zu wenig Futter. Und sind sie schließlich zu alt oder zu krank geworden, werden sie, um sich ihrer zu entledigen, einfach von den Klippen ins Meer gestoßen.

In einem Video, das auf Youtube gezeigt wird, kann man das Elend der Tiere in seinem ganzen Ausmaß sehen.

Auf Druck von Tierschützern haben die Behörden im Jahr 2017 versprochen zu handeln und für die Rechte und das Wohl der Esel einzustehen. Arbeitszeiten und Tragelasten sollten begrenzt werden, und wenn Besitzer ihre Tiere misshandeln, sollte ihnen die Transport-Erlaubnis entzogen werden. Doch viel mehr, als für die wartenden Esel einen schattenspendenden Unterschlupf zu schaffen, ist bis heute nicht passiert!

Aber nicht nur für die Tiere ist es eine Qual, auch für die Touristen ist das Reiten auf ihnen geradezu lebendgefährlich. Man wird in den Sattel gesetzt, das Tier bekommt einen Klaps auf die Hinterseite und rennt los. Zügel gibt es nicht, man hält sich am Sattelknauf fest, ohne lenken oder sonst wie eingreifen zu können. Oft rennen drei oder vier Tiere auf dem Pfad nebeneinander. Derweilen kommen von oben die Esel wieder nach unten, die ihre Fracht bereits abgeladen haben. Sie sind in Gruppen von fünf oder mehr Tieren aneinandergebunden!

Wir haben mit eigenen Augen beobachtet, wie eine Asiatin auf einem kleinen Esel von den gespannten Seilen der entgegenkommenden Tiere geradezu von ihrem Reittier gefegt wurde. Sie lag dann auf den Stufen, und die Esel sind über sie hinweggetrampelt. Dass sie sich ohne große Verletzung auf die Seite retten konnte war geradezu ein Wunder. Ihr Mann konnte sein Reittier nicht anhalten und ist notgedrungen bis oben weitergeritten, ohne zu wissen, wie es seiner Frau erging, ob sie vielleicht schwerverletzt zurückgeblieben ist.

seilbahn-santoriniEs gibt eine Seilbahn, mit der man vom alten Hafen aus sicher und entspannt auf den Berg hinauffahren kann. Von der Gondel, in der bis zu 6 Personen Platz haben, hat man einen herrlichen Ausblick – und man schont die bedauernswerten Tiere.

 

Inzwischen hat eine Frau auf Santorini eine kleine Auffangstation für alte und kranke Esel errichtet, die von Spenden getragen wird. Wer eine Patenschaft übernehmen will, kann das hier tun.

Paletten-Doktorfische – gequält und totgeliebt

Taucher, die das Glück (Geld) hatten, in den küstennahen Riffen des Indo-Pazifik tauchen zu können, konnten sie in Natura beobachten – die unglaublich schönen blauschillernden Paletten-Doktorfische. Dort leben sie zwischen Korallen oder in Felsspalten und ernähren sich vorwiegend von Algen. Ihren Namen verdanken sie einem skalpellartigen Dorn am Schwanzstiel, der sehr scharf ist. Sie können ihn aufrichten, um damit ihre Feinde abzuwehren.

Das klappt fast bei allen, manchmal sogar bei Haien – nur gegen ihren schlimmsten Feind, den Menschen, haben sie keine Chance. Denn die haben sich eine ganz besonders hinterhältige Methode ausgedacht, sie zu fangen, um sie anschließend furchtbar zu quälen.

Als erstesnebeln sie die Fische mit Gift ein, um sie zu betäuben und so gefahrlos einsammeln zu können. Zu dumm nur, dass dabei auch die Korallen absterben, zwischen denen sie sich verstecken! Und dass von zehn erbeuteten Paletten-Doktorfischen, die anschließend in die ganze Welt verschickt werden, höchstens sieben den Transport überleben. Diejenigen, die überlebt haben, landen dann meist in viel zu kleinen Aquarien, wo sie dahinvegetieren müssen, wie etwa ein Bär in einem vier auf zwei Meter großen Zirkuskäfig.

Will man diese Fische, die 20 Jahre alt und manche Männchen bis zu 40 Zentimeter groß werden können, einigermaßen artgerecht halten, benötigt man ein sehr großes Aquarium, das bereits in der Anschaffung wenigstens 10 000 Euro kostet – einmal ganz abgesehen von der Platzfrage und den Unterhaltskosten.

Bekannt ist der Paletten-Doktorfisch vor allem aus dem Animationsfilm „Findet Nemo“. Da begibt sich Marlin, ein Anemonenfisch, auf die Suche nach seinem Sohn Nemo und wird dabei von Dorie, einem weiblichen Paletten-Doktorfisch, begleitet. Nachdem dieser Film in die Kinos gekommen war, begann ein Run auf Anemonenfische, die zu abertausenden in viel zu kleinen Aquarien landeten.

Nun gibt es mit „Findet Dorie“ einen Nachfolgefilm. Diesmal steht der unter Amnesie leidenden Paletten-Doktorfisch Dorie im Mittelpunkt – sie versucht nun ihrerseits ihre Familie wiederzufinden. Nach den Erfahrungen mit „Findet Nemo“ ist davon auszugehen, dass diesmal abertausende Paletten-Dokotorfische gefangen werden, um danach auf dem Transport qualvoll zu verenden oder ein schreckliches Leben in lächerlich kleinen Wasserbecken fristen zu müssen.

Bleibt nur zu hoffen, dass Eltern so vernünftig sind, ihren Kindern den ‚kleinen Wunsch‘ auch so einen süßen Paletten-Doktorfisch zu bekommen, verwehren.

 

paletten-doktorfisch im Korallenriff
Plaetten-Doktorfisch in seiner natürlichen Umgebung

Wer trotz allem mehr über artgerechte Haltung erfahren will, kann sich hier firm machen

http://www.saia-online.eu/index.php/de/start/9-hauptbeitraege/1-doktorfische-geliebt-und-gequaelt