Der Innradweg auf zwei Rädern und vier Beinen

Unsere Neuerscheinung im Januar – Der Innradweg auf zwei Rädern und vier Pfoten. Ein heiterer Erlebnisbericht, verfasst aus der Sicht eines Hundes.

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Der Innradweg auf zwei Rädern und vier Pfoten

Obwohl der Text sich auf den Inn-Radweg bezieht, gibt er ganz allgemein Tipps für Radfahrer, die allein oder in Begleitung ihres Vierbeiners das wundervolle Abenteuer einer Radwanderung wagen wollen. Das E-Book ersetzt keinen Reiseführer mit Kartenmaterial, doch es stimmt sie mit Humor auf Ihren Rad-Urlaub ein und hilft denen, die noch nie auf einer Radreise waren, bei ihrer Entscheidung für oder gegen so einen Trip. Es werden die Strecke des Innradwegs und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten beschrieben, so können Sie sich schon vorab im Internet informieren und herausfinden, wo Sie Stopps einlegen wollen. Vor allem aber soll dieses kleine Büchlein den Lesern Spaß bringen und Mut zum Radwandern machen!

Leseprobe

An diesem Tag waren meine Menschen ziemlich tapfer. Der Regen, die Kälte, die schwierige Strecke – und bei all dem sind sie statt der geplanten 46 auch noch 64 Kilometer geradelt! Mich hatten sie mal wieder in den Anhänger verbannt, bei dem Schweinewetter war es mir allerdings ganz recht.

Das mit den 64 Kilometern kam so: Angeline hatte Übernachtung in Ried geplant, allerdings kein Zimmer vorbestellt. René wollte dann aber unbedingt noch bis Landeck fahren. Sie sagte: „Warum? Wenn wir morgen früh loskommen, sind wir schon gegen zehn, spätestens elf Uhr in Landeck. Da kannst Du dann gleich den Zug nehmen, um das Auto nachzuholen, und in ein paar Stunden bist du zurück.“

Er entgegnete: „Wer weiß, vielleicht regnet es morgen immer noch, dann bin ich durchnässt, wenn wir ankommen, und ich muss duschen und andere Sachen anziehen, bevor ich wegkomme. Mir ist es lieber, ich kann mich gleich nach dem Aufstehen gemütlich zum Bus trollen.“

Sie: „Aber ich bin müde, ich kann jetzt nicht noch mal achtzehn Kilometer fahren.“

Er: „Das schaffst du schon!“ Punkt und aus.

Ich habe ihn angesehen, ich habe sie angesehen und an die Leute von gestern gedacht. Angeline war schließlich fix und fertig, und ich war auch reif für `ne Dose! Ist René etwa derselbe Macho wie der Typ von gestern?

Mir fiel wieder ein, wie sie sich zu Hause alles so romantisch ausgemalt hatten: Reisen wie zu Goethes Zeiten! Die Landschaft, zum Greifen nah, zieht gemächlich an Dir vorüber. Du riechst das Gras, die Blumen, den Fluss, du spürst das Wetter ‚hautnah‘ (!!!), und mehr als 50 oder auch mal 60 Kilometer pro Tag schaffst du nicht … Hab ja gleich gewusst, dass die Wirklichkeit etwas weniger blumig aussehen würde.

Angeline hat sich überreden lassen weiterzufahren und ist uns unter Murren gefolgt. „Frauen fügen sich, weil sie sonst befürchten müssen, Zicke genannt zu werden“, hat sie René angemosert.

„Quatsch“, blaffte er zurück.

„Kein Quatsch! Wenn wir Frauen streiten, heißt es immer gleich ‚Zickenkrieg‘. Männer die streiten, haben natürlich eine ernsthafte Auseinandersetzung.“

Angeline war sauer, hatte aber versucht, sich das nicht anmerken zu lassen. René hatte ein schlechtes Gewissen, hatte ebenfalls versucht, sich das nicht anmerken zu lassen. Und ich lief daneben her und versuchte so zu tun, als ob nichts wäre. Für mich ist das echt schwer, wenn die streiten. Zwar öffnen sie mir auf jeden Fall immer eine Dose, egal wie sauer sie aufeinander sind, aber als harmonieliebender Familienhund will man schließlich, dass alle glücklich und zufrieden sind.

Wenigstens mussten wir in Landeck nicht lange nach einem Gasthaus suchen, denn das hatte Angeline wiederum vorbestellt. Allerdings waren wir ja jetzt einen Tag zu früh dran! Doch denen im Gasthaus war es recht, dass wir zwei Nächte bleiben wollten, die hatten freie Zimmer genug.

Während Angeline auspackte und mich mit Futter versorgte, ging René schon mal zur Touristeninfo, um sich zu erkundigen, wo morgen der Postbus starten würde, von dem er im Internet gelesen hatte, dass er etwa stündlich fährt. Aber von wegen stündlich! Von so einem Bus wusste hier niemand. Es gab zwar eine Verbindung nach Maloja, aber der Bus fuhr morgens und dann wieder mittags – und das war genau der Bus, den wir auch hätten nehmen müssen, wenn wir mit der Bahn angereist wären. Bedeutete eine kleine Weltreise und viermal umsteigen!

René kam zurück und sagte mit leisem Triumph in der Stimme: „Da kann ich wirklich froh sein, dass ich morgen gleich in der Früh loskomme und den ganzen Tag Zeit habe! Wenn wir erst gegen elf angekommen wären, hätte ich womöglich noch den Mittagsbus versäumt, und wir hätten einen zweiten Ruhetag einlegen müssen.“

Angeline und ich haben Blicke getauscht – was soll man da noch sagen.

Aber auf Sieg folgt Schlappe, so ist das nun mal im Leben. Deshalb erzähle ich jetzt auch, was René am Abend angestellt hat. Es könnte ihm peinlich sein, aber Angeline hatte sich fast totgelacht.

Um Platz im Gepäck zu sparen, hatte sie etwas Calendulasalbe für eventuelle Schäden am verlängerten Rücken aus dem riesigen Salbentopf in ein kleines schwarzes Töpfchen umgefüllt. In diesem Töpfchen war einst Augenmakeupcreme gewesen. Die trägt Angeline aufs Augenlid auf, dann hält der Lidschatten besser. Augenmakeupcreme hatte sie natürlich auch dabei, weil sie ohne Lidschatten und Wimperntusche nicht aus dem Haus geht. Sie sagt, sonst fühlt sie sich ‚nackt‘, und nackt will sie nicht radeln. Es waren also zwei gleiche Töpfchen mit grundverschiedenem Inhalt im Kulturbeutel. Egal, hatte sie gedacht, man erkennt es ja, weil die eine Creme weiß und die andere hautfarben ist.

Als wir in Landeck ankamen – 6 Stunden im Sattel! – benutzte Angeline das Töpfchen mit der Calendulasalbe, hielt es René hin und fragte: „Du auch?“

Er schüttelte den Kopf. Quatsch, Salbe! So was hat ein echter Kerl doch nicht nötig!

Am nächsten Morgen, als Angeline sich schminken wollte, stieß sie einen Entsetzensschrei aus! „Was ist mit meiner Augenmakeupcreme passiert?“ Sie kam aus dem Bad, hielt das Töpfchen hoch und sah mich bohrend an – als ob ich ein kleines schwarzes Töpfchen klauen, vorsichtig aufdrehen, den Inhalt verspeisen und dann wieder zudrehen würde!

Ich sah René an, und René sah Angeline an. Er hob beide Augenbrauen, was er immer tut, wenn er sich wundert. „Warum Augenmakeupcreme? – Calendulasalbe!“

Angeline klappte den Mund auf und wieder zu. Sie wollte sich gerade ärgern, so eine Creme ist nicht billig, aber dann siegte doch ihr Humor, und sie brach in schallendes Gelächter aus. Ob René seinen Allerwertesten etwa schminken wollte, und ob der jetzt wohl ein hübscheres ‚Gesicht‘ hatte?

René ließ sie lachen, er wusste, das würde ihr gleich vergehen. Er hatte nämlich inzwischen aus dem Fenster geguckt, und das tat Angeline jetzt auch. Boh, und da ist sie ganz schön erschrocken. Dort drüben, der Berg, der war gestern noch grün gewesen, jetzt reichte der Schnee fast bis zur Stadt herunter. Wie mochte es da wohl erst droben in Maloja aussehen?

War dann aber gar nicht so schlimm. Als René am Spätnachmittag mit dem Auto zurückkam, meinte er lapidar: „Droben in der Schweiz hat es auch bloß auf den Bergen geschneit.“

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