Brettspiele und ihr historischer Hintergrund

Die ersten Spiele auf einem Brett wurden im Mittelalter gespielt – so las ich es kürzlich in einem historischen Roman. Aber weit gefehlt und schlecht recherchiert. Das älteste bisher bekannte Brettspiel der Welt ist mehr als fünftausend Jahre alt und wurde bei Ausgrabungen der mesopotamischen Stadt UR entdeckt! Wer das Britische Museum in London besucht, kann es dort bewundern. Zwar weiß man nicht, wie es gespielt wurde, vermutet aber, dass es dem Backgammon ähnelt.

Brettspiele hatten ursprünglich einen religiösen Hintergrund. Wahrsager, Weise und Berater der Könige nutzten sie sogar noch Ende des 19. Jahrhunderts als Medium für ihre Weissagungen. Ihre Züge galten als von Gott gelenkt. Auch das Dame-Spiel, das aus dem alten Ägypten stammt und dort ‚alquerque‘ hieß, war in seinem Ursprung ein Orakel, das Auskunft über den Ausgang von Kriegen geben sollte. Man fand es bei Ausgrabungen in mehreren Gräbern. Später wurde es von Griechen und Römern übernommen und leicht abgewandelt.

Auch das zweitälteste bekannte Brettspiel entdeckte man in Ägypten. Es heißt ‚senet‘ und war beim einfachen Volk ebenso beliebt wie in höheren Kreisen. Die Spielregeln gaben vor, dass jeder Spieler fünf Spielsteine auf einem Papyrusbrett ins Ziel bringen musste. Auch Tut-ench-Amun hatte man ein solches Spiel mit ins Grab gegeben.
Das älteste heute noch gespielte Brettspiel ist Schach. Über seine Entstehung ist man sich uneins. Es wurde Ende des 5. Jahrhunderts entweder von einem in Indien lebenden Hindu erfunden oder in Persien. Letzteres legt der Ausdruck ‚Schach matt‘ nahe, der sich vom Persischen ‚al shah mat‘ (der König ist tot) ableitet. Nach Europa kam es im 11. Jahrhundert über Spanien und wurde hier vor allem von der gebildeten Klasse gespielt.

Das vielleicht beliebteste und bekannteste Brettspiel bei uns ist Mensch-ärgere-Dich-nicht. Dessen Ur-Form ist das Spiel Pachisi, das in Indien seit vielen Jahrhunderten gespielt wird. Daraus entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine englische Variante, das Ludo. 1908 hat Josef Friedrich Schmidt in Anlehnung an Ludo unser Mensch-ärgere-Dich-nicht erfunden. Seither wurden weit über 70 Millionen Exemplare davon verkauft.

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