Blog by arp

Schriftsteller und ihre Musen

Alles wurde schon einmal geschrieben – und sogar Shakespeare hat geklaut! Wen wundert es also, dass sogar große Dichter ihre ‚Flauten‘ haben. In solchen Momenten suchen sie Inspiration bei den Musen …

Die Musen aus der Mythologie sind neun Göttinnen … nein, eigentlich ist es nur eine, nämlich die ‘neunfache Göttin als Quelle der Inspiration’, und allesamt Töchter des Zeus. Die Muse der Liebesdichtung heißt Erato, die der Tragödie Melpomene, die Muse der Heldendichtungen Kalliope. Dann sind da noch Klio, Terpsichore, Euterpe, Polyhymnia, Urania und schließlich Thalia, die sie alle anführt.

Oft werden die Mythologischen Musen aber auch von irdischen Schwestern vertreten; Frauen aus Fleisch und Blut, die ‘ihren’ Dichtern, Malern oder Musikern zu großen Werken verhelfen. Durch klugen Rat oder auch nur durch ihre Schönheit oder die Art, wie sie an einer Blume riechen.

Von Künstlerinnen und ihren männlichen Musen ist nur wenig bekannt. Warum eigentlich? Haben sie sich nicht auch den Musenkuss verdient? Gerade heutzutage, wo einem das Wörtchen Gleichberechtigung bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ins Ohr geflüstert wird?!

Auch ich habe keine/n – aber vielleicht wäre ja heute der richtige Tag, mich auf die Suche zu machen …

Terpsichore – die Muse der Chorlyrik und des Tanzes. Hier im Achilleion – Palast der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sisi) auf Korfu, den sie in den Jahren 1890–1892 erbauen ließ.

Ein Einsatzroman einmal ganz anders

Kennen Sie Einsatzromane? Also, das hat nichts mit Einsatz zu tun. Gemeint ist ein ‚Roman‘, der nur aus einem Satz besteht. Ein endlos langer, nimmer endender Bandwurmsatz. Bei Amazon kann man in so einen Roman hineinlesen – falls es euch interessiert. Die Autorin heißt Caroline Günther.

Das ist sicher eine große Kunst, denn man muss den Faden behalten, was ja schon bei ganz normalen ‚Vielsatzromanen‘ nicht jedem leicht fällt. Doch mein Ding ist so ein Endlossatz nicht, weder als Autorin, noch als Leserin.

Auf unserer Inn-Radreise vom Maloja-Pass bis Passau (festgehalten in einem heiteren Reisebericht) kamen wir nach Kramsach in Tirol. Dort gibt es einen Museumsfriedhof. Hans Guggenberger, der Gründer, hat in Österreich und Bayern ein paardutzend, teilweise dreihundert Jahre alte, schmiedeeiserne Grabkreuze gesammelt und in einem kleinen Wald aufgestellt. Die Sprüche, die man auf den Kreuzen lesen kann, sind derb-herzliche Lebensgeschichten und zeugen vom urwüchsigen Volkshumor der Alpenländer. Ja, und dort habe ich einen ganz anderen ‚Einsatzroman‘ gelesen. Kurz und bündig. Ein Satz aus vier Wörtern, der ALLES erzählt.

Aufigschtieg’n, obagfall’n, hin gwös’n

Übersetzt: Hinaufgestiegen, heruntergefallen, tot gewesen.

Diese ‚Einsatz-Geschichte‘ begleitet mich seither und taucht immer mal wieder aus meinem Unterbewusstsein auf. Zeigt sie doch, dass nicht immer viele Worte nötig sind, um das Wesentliche auszudrücken. Der eigenen Fantasie sind dabei aber keine Grenzen gesetzt, wer will, kann sich die Geschichte selbst ausschmücken. Zum Beispiel so:

Ein Bauernhof. Es ist Spätsommer. Die Äpfel sind reif. Die Bäuerin hat acht Kinder, drei sind sterbenskrank, die Magd ist vorgestern abgehauen, mitten im Jahr. Der Bauer kommt vom Feld. Kein Essen auf dem Tisch, weil die Kinder kotzen und die Bäuerin zwischen Stall und Schlafkammer unterwegs war, den ganzen Tag. Jetzt steht er vor ihr, macht ihr Vorwürfe.

Sie schreit ihn an: „Mach’s dir doch selber, dein Essen, oder soll ich die Kinder deinetwegen verrecken lassen?!“

Er brüllt zurück: „Ich war ja auch den ganzen Tag auf dem Feld und hab geschuftet bis zum Umfallen!“

„Dann schneide dir halt einen Kanten Brot ab und was vom G‘sellchten dazu.“

Er geht.

„Und die Äpfel müssen geerntet werden, sonst faulen sie uns noch am Baum!“, schreit sie ihm nach.

Er isst Brot. Seine Wut ist noch nicht verraucht, als er hinaus in den Obstgarten geht. Die Leiter ist morsch, der vorletzte Tritt schon angebrochen. Er hätte sie längst richten müssen, aber das ist Arbeit für den Winter. Er nimmt sie und lehnt sie an den Baum. Steigt hinauf, den Jutesack hat er sich quer um die Schulter gehängt. Da hinein legt er die Äpfel. Er steigt weiter hinauf. Der Jutesack ist schon voll. Nur noch den einen Apfel dort drüben, bevor er hinuntersteigt, um den Sack zu leeren und die Leiter zu versetzen. Er reicht nicht ganz hin, steigt einen Tritt höher, vergisst, dass der Abtritt schon angebrochen ist. Es kracht, der Abtritt bricht, die Leiter kommt ins Wanken. Der Bauer greift hilfesuchend nach einem Ast, doch schon kippt er samt der Leiter zur Seite, erwischt ihn nicht mehr.

Die Bäuerin im Haus hört einen Schrei. Langgezogen, unheilverkündend. Sie geht zum Fenster, schaut hinaus, sieht ihren Mann dort liegen, rennt hinaus.

Als sie bei ihm ist, ist er schon tot. Drei Tage später trägt sie ihn zu Grabe, eins ihrer Kinder dazu – und die Äpfel faulen am Baum.

‚Aufigschtieg’n, obagfall’n, hin gwös’n‘, denkt sie bekümmert, als sie im Frühjahr auf der Bank vorm Haus sitzt und den Baum betrachtet, der jetzt wieder voller Blüten ist.

So könnte es gewesen sein. Vielleicht aber auch ganz anders. Unsere Phantasie kann diese ‚Einsatz-Geschichte‘ auskleiden, ganz nach Belieben …

Einsatzromane
Eine Grabinschrift, die alles sagt

Werfen Sie Ihre alte nicht weg!

Heute hörte ich im Radio einen Nachrichtenbeitrag, in dem es hieß, dass manche Ämter, und vor allem Geheimdienste (!), wieder die gute alte Schreibmaschine einführen. Denn Texte auf Papier getippt, können nicht so leicht ausgespäht werden. Leider gibt es aber nur noch eine Firma, die Schreibmaschinen herstellt (die im Übrigen fast pleite ist). Na, die kann sich jetzt auf ihren großen Aufschwung freuen.

Also – werfen Sie Ihre alte Schreibmaschine nicht weg, denn wer noch eine hat, kann sich glücklich schätzen!!!

 

Schreibmaschine