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Liste aller Genres und Subgenres von Mara Laue

Die Schriftstellerin Mara Laue hat sich die Mühe gemacht, eine Liste alle Genres und Subgenres aufzustellen und ihre Bedeutung zu erläutern. Ein wirklich interessanter Beitrag für interessierte Laien, Autoren und andere Leute vom Fach. Liste aller Genres und Subgenres von Mara Laue weiterlesen

Rezensionen – ‚Die Sache mit den Sternen‘

Das ist so eine Sache mit den Rezensionen. Einerseits ist es schön und gut, wenn Autoren Feedback zu ihrer Arbeit bekommen und Verlage erfahren, was gut oder weniger gut ankommt. Andererseits sind Rezensionen oft nicht fair, und Rezensenten, die sich ärgern, nicht objektiv. So vergab ein Rezensent einer Kollegin für ihren Roman nur einen Stern, weil er sich darüber ärgerte, dass das Buch nicht sofort lieferbar war.
Er schrieb: „… ich habe diese bewertung gewählt,weil das buch nicht verfügbar ist ich würde es schon weiter empfelen, wenn ich es bekommen und gelesen hätte …“ (Originaltext mit Oriminalfehlern).
Über einen Wanderführer von Krk, der ebenfalls mit nur einem Stern bedacht wurde, las ich, dass der Rezensent sich darüber ärgerte, dass er alle Wanderungen bereits kannte. Mein Prag-Reiseführer erhielt immerhin noch drei Punkte (für die guten Informationen) – doch zwei Punkte Abzug, weil der Rezensent festgestellt hatte, dass ihm ein Buch aus Papier doch lieber gewesen wäre.
In allen drei Fällen hat die Bewertung nichts mit der Qualität des Buches zu tun. Ein Großhändler konnte nicht gleich liefern. Für einen leidenschaftlichen Wanderer konnte nicht flugs eine neue und unbekannte Rute aus dem Hut gezaubert werden. Ein Mann hat festgestellt, dass ein modernes Medium doch nichts für ihn ist.
Rezensenten machen sich oft keine Gedanken darüber, wie sehr sie Autoren mit einer ungerechtfertigten Punktevergabe schaden können. Viele Leute, die den einen Stern sehen, lesen dann gar nicht mehr nach, weshalb nur einer vergeben wurde. Schlecht ist schlecht – Punkt. Bei fünfzig fünf-Sterne-Rezensionen plus einer ein-Sterne-Rezension fällt das natürlich nicht ins Gewicht. Doch ist gleich die erste und einzige Rezension so mies, kann das für ein Buch oder einen jungen Autor das Aus bedeuten.
Und dann gibt es noch die gnadenlosen Verrisse, weit unter der Gürtellinie, vor Neid und Hass strotzend – da fragt man sich, woher solche Aggressionen kommen.
Subtiler in ihrer Boshaftigkeit sind die Rezensionen, die nicht nur die ganze Geschichte bis ins Kleinste nach- beziehungsweise vorerzählt, sondern gleich noch das Ende dazu verraten.
Wenn ich mir etwas von Rezensenten wünschen dürfte, würde ich sagen: Bleibt sachlich, fair und seid konstruktiv. Denn: Wer die anderen neben sich klein macht, ist nie groß – ein Zitat von Johann Gottfried Seume.

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Ein Stern oder doch mehr?

Vergessene Wörter – die Matz

Die ‚Matz‘ die Matz ist ein Wort mit weitrechender Bedeutung. Das lernte ich, als ich unterwegs war und einen Döner aß. Die Dönerbude war gut besucht, die Schlange hungriger Menschen reichte bis auf die Straße. Half nichts, ich stellte mich an.
Kaum war ich da, ratterte ein Moped heran. Der Fahrer entledigte sich seines Helms, das grinsende Gesicht eines Achtzehnjährigen kam zum Vorschein.
„A do!“ (auch da), rief er den beiden Jungs zu, die vor mir in der Reihe warteten und stellte sich hinter mich.
Die drei Jungmänner kannten sich also, und sie schienen alle drei in Autowerkstätten zu arbeiten. Es gab viel zu erzählen, und das taten sie dann auch. Und zwar in tiefstem bayrischem Dialekt, sehr lautstark und über meinen Kopf hinweg.
Zuerst einmal ging es um ein Mädel. Ein vierter, nicht anwesender Jungmann hatte, wie ich erfuhr, eine gewisse Silvie angebaggert. Silvie hatte ihn aber wohl nicht erhört, was die anwesenden Jungmänner nicht wirklich verwunderte. Ihrer Meinung nach war der Nichtanwesende nicht besonders attraktiv und auch sonst nichts Besonderes. Lachend kamen sie zu dem Schluss, dass sie selbst bei Silvie bestimmt gelandet wären.
Ich dachte gerade so bei mir, dass, wenn ich Silvie wäre, garantiert keinen der vier Burschen bei mir landen könnte, auch nicht, wenn ich erst fünfzehn wäre – da bekam das Mädel ganz vorne in der Reihe endlich ihren Döner ausgehändigt. Sie drehte sich um und sah einen der Jungs aus großen Augen ganz verknallt an.
„Servus“, hauchte sie.
„Servus“, brummte er zurück.
Okay, ich begriff, dass mein Geschmack was ‚Männer‘ betrifft hier nicht unbedingt relevant war.
Das Mädel war fort, wir rückten in der Reihe alle einen Platz nach. Der hinter mir besann sich nun auf seinen Hunger: „Hm, wos soll i etzt fress‘n?“, sinnierte er lauthals. „‘n Döner oder a Currywurscht mit Pommes?“ – „I nehm an Döner“, bestimmte er und setzt nach: „Und wos soll i saufa? (saufen)“
Ich holte tief Luft. Fressen und saufen – war der Herr im Kuhstall aufgewachsen? Ich versuchte mir vorzustellen, wie er wohl wohnte und hatte ein ziemlich düsteres Bild vor Augen. Sah vor mir, wie er mit seinen Eltern am Tisch saß, wie geschmatzt und gegrunzt wurde.
Er entschied sich für ein Sprite. Damit war sein Kopf frei für neue Gedanken. Er erzählte von einem Mofa, das einer seiner Kollegen repariert hatte. Der hatte das aber irgendwie nicht richtig hinbekommen. Eine der Schrauben saß viel zu locker. Der hinter mir hatte daraufhin die Sache selbst in die Hand genommen und mehrmals fest angezogen. Das alles erklärte er sehr lautmalerisch anhand vieler fäkaldialektaler Wörter und endete schließlich mit: „ … etzt sitzt s‘ fest, de Matz, de rührt si nimmer!“ (Jetzt sitzt sie fest, die Matz, die rührt sich nicht mehr!)
Ich schloss die Augen, biss die Zähne zusammen. Matz! Das war so etwa das ordinärste Schimpfwort, das ich kannte. Eine Matz ist eine dreckige Hure, das allerletzte!
Endlich waren die beiden Jungmänner in der Reihe vor mir dran, bestellten, bezahlten und gingen, und damit verfiel auch mein Hintermann in Schweigen.
Meinen Döner aß ich nur noch mit halbem Appetit. „Saufen, fressen – die Matz!“, ging es mir immer wieder durch den Kopf.
Zuhause erzählte ich meinem Mann davon. Ich liebe doch mein Bayern. Und ich bin überzeugte Landbewohnerin. Aber wenn das dem durchschnittlichen Bildungsniveau unserer Dorfjugend entspricht …
Er legte mir beruhigend die Hand auf die Schulter und erinnerte mich an Eisi Gulp (seines Zeichens Pantomime, Schauspieler und Kabarettisten) der u.a. durch die deutschen Lande zieht und Jugendliche über die Gefahr von Drogen aufklärt. Wir kennen ihn flüchtig – und was er über die Jugendlichen in den Städten erzählte, war noch viel, viel schlimmer als ‚saufen, fressen und eine Matz, die sich nicht festschrauben ließ‘.
Am Abend machte ich dann meine Fahrradrunde mit dem Hund. Unterwegs kam mir ein Mädchen entgegen, vielleicht zwölf Jahre alt. Sie strahlte mich an und grüßte freundlich – obwohl ich sie gar nicht kannte. Hundert Meter weiter zwei Jungens, vielleicht vierzehn und fünfzehn Jahre alt, die ich ebenfalls nicht kannte. Ich klingelte, sie traten zur Seite, sahen mich an und grüßten so freundlich wie zuvor das Mädel. „Hallo“, sagte der eine und der andere rief fröhlich: „Habe die Ehre!“
Ich musste lachen über den altmodischen Gruß aus dem Mund eines Jugendlichen und dachte: „Na siehst du, so schlimm ist es um unsere Jugend ja gar nicht bestellt.“
Doch weil mich das mit der ‚Matz‘ doch ziemlich mitgenommen hat, zog ich des Abends ein Wörterbuch zu Rate und ließ mich erstaunt belehren, dass der Ausdruck ‚Matz‘viel weniger ‚schlimm‘ ist als ich dachte. Meine Eltern stammen nämlich aus Franken und dort wird der Begriff als hässliches Schimpfwort gebraucht.

Im übrigen Sprachraum bedeutet Matz hingegen
1.    männliche Person, die albern, eitel und weibisch ist,
2.    Person, die immer wieder versagt,
3.    männliches (zahmes) Schwein,
4.    Person, die nicht sehr auf Sauberkeit bedacht ist, die z.B. das Tischtuch während des Essens beschmutzt oder gar besudelt,
5.    korpulente Person,
6.    zahmer Sing-Vogel (Piepmatz)
7.    kleinwüchsige Person, auch scherzhaft und im übertragenen Sinne ‚niedlicher kleiner Junge‘,
8.    Matz gilt auch als Abkürzung des Namens Matthias (Matze)
9.    oder ist eine spöttische, aber zugleich anerkennende Bezeichnung für eine freche, redegewandte und eventuell ordinäre Frauensperson, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, gerne flirtet und sich verbal schlagfertig und humorvoll durchsetzen kann.

Und Redensartlich bedeutet in Oberbayern: „Des is a Matz“ – „das ist eine Freche.“
Na ja, damit ist der saufende, fressende Jungmann wieder ein stückweit rehabilitiert. Eine ‚freche Schraube‘, das geht ja noch an.

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Eine Schraube nennt man auch Matz

Über die Autorin Angelika Lauriel und ihre Stammzellenspende

Als Mädchen gab es nichts Schöneres für sie, als Bücher zu lesen. Später, als Studentin, träumte sie davon, Literaturübersetzerin zu werden. Doch das Leben wies ihr andere Wege

Sie heiratete, schrieb ihre Doktorarbeit und entschied sich, Kinder zu bekommen, für die sie ganz da sein wollte. Mittlerweile sind ihre Söhne Teenager, und sie hat das Schreiben für sich (wieder-) entdeckt.

„Es war wie ein Zwang für mich, wie eine Sucht, die Ideen, die mir durch den Kopf geisterten, aufzuschreiben“, erzählt sie.

Inzwischen ist das Schreiben neben der Familie die wichtigste Sache in ihrem Leben, und seit 2010 veröffentlicht sie.

„Ich liebe diesen Beruf – aber manchmal verzweifle ich auch daran, denn die Arbeit, die einem Buchprojekt vorausgeht, nimmt für meinen Geschmack viel zu viel Platz ein.“

Doch der Frust ist vergessen, sobald Angelika Lauriel wieder schreiben kann. „Am liebsten über große Emotion wie Liebe und Hass“, sagt sie.

„Doch auch Komödien gehören zu meinem Autorenrepertoire. Ich glaube, das macht mich aus: Tiefe Emotionen stehen dem Leichtfüßigen und Humorvollen gegenüber.“

Seit ein paar Wochen bestimmt noch etwas ganz anderes ihr Tun und Denken. Irgendwo auf der Welt gibt es einen Menschen, dem sie ihre Stammzellen spendet.

„Ich hoffe, dass ich damit sein Leben retten kann. Und weil ich mir wünsche, dass viele Menschen den Mut finden, sich als Spender registrieren zu lassen, schreibe ich über meine Erfahrungen in einem Blog. Vielleicht kann ich so ein wenig dazu beitragen, dass Menschen den Krebs besiegen.“

 

Angelika Lauriel - Stammzellenspende
Angelika Laurils Stammzellenspende rettet Leben

Angelika Lauriel                                            (Foto: Traumstoff)

So rettet Stammzellenspende Leben

Lesefutter auf Papiertüten

Bereits zum zweiten Mal hat die Touristeninformation Grassau eine Webekampagne mit einem Text von mir gestartet. Auf 50 000 Papiertüten ist ein Auszug aus meinem historischen Roman ‚Die Niemalsbraut‘ zu lesen. Die Tüten werden in 23 Filialen der ebl-Reformhäuser im Raum Nürnberg/Erlangen, sowie in 15 Niederlassungen der Bäckerei ‚Siegel Backkultur‘ in und um Stuttgart zum Verpacken benutzt. Am Ende der Aktion verlost die Touristeninfo Grassau zehn handsignierte Exemplare der Niemalsbraut.
Mitmachen ist ganz einfach – wie es geht kann man auf den Tüten lesen.

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Sabine Kornbichler – Gutes Buch, gute Lesung!

„Gutes Buch – schlecht gelesen!“ So lautete die Überschrift eines Artikels, den einst ein Kritiker zu einer ihrer Lesungen schrieb. Doch das ist lange her und gehört in die Anfangszeit ihrer Kariere. Damals hatte ihr Vater sie getröstet: „Besser ‚Gutes Buch, schlecht gelesen‘ als ‚schlechtes Buch, gut gelesen‘!
Trotz des liebgemeinten Trostes hat dieser Artikel Sabine Kornbichler zu denken gegeben, und so wurde er zum Antrieb für sie, Sprachunterricht zu nehmen und ihre Lesungen zukünftig akribisch vorzubereiten. Sprachfluss und -rhythmus der Texte, langsames Lesen und eine angenehme Stimme rundeten ihre Lesung ab.

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Ein schöner Vormittag bei kaltem Buffet und Frau Kornbichlers neuestem Krimi ‚Das böse Kind‘ (Piper), am 9. Januar 2016in der Bücherei Grassau.

Nicht ohne meinen Dienstleister …

Wer als kleiner Verlag mehr will, als nur bei Amazon veröffentlichen, hat es schwer. Große Buchhändler wie Thalia, Hugendubel oder Weltbild verhandeln mit kleinen Verlagen nicht – einmal ganz abgesehen davon, dass neben der Herstellung der Buchprojekte die anfallenden Zusatz- und Büroarbeiten unglaubliche ‚Zeitfresser‘ sind.

Hier ist es von Vorteil, mit einem Dienstleister zusammenzuarbeiten, der sich um die Auslieferung und alle anfallenden Verlagsgeschäfte kümmert. Er sollte Verträge mit allen wichtigen Vertriebsplattformen haben, wie Amazon, Apple, der Tolino Allianz, Google, Kobo, Buchhandel.de oder Skoobe, um überall dort die Titel in den Handel zu bringen, die man zur Veröffentlichung vorbereitet hat. Zum Rundum-Service sollten neben Vertrieb von E-Books auch die E-Book-Herstellung, Print on Demand, eine automatisierte Autorenabrechnung, ein übersichtliches Reporting, Händlermarketing, ein kostenloser Standard-Webshop und eine freundliche und kompetente Beratung gehören.

Unsere erste Zusammenarbeit mit einem Dienstleister war mehr als frustrierend – eine Erfahrung, die schmerzhaft und kostspielig war. Schließlich wurde uns Open Publishing empfohlen. Mit dieser Firma sind wir nun rundum zufrieden. Marianne Kraus, die uns als persönliche Beraterin zur Seite gestellt wurde, vervollständigt unser kleines Team.

Mit ihr und Open Publishing an unserer Seite können wir uns ganz auf unsere Buchprojekte konzentrieren.

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Marianne Kraus, unsere perönliche Ansprechpartnerin bei Open Publishing

Open Publishing

 

Argumente, die für E-Books sprechen

Ein Bekannter fragte mich unlängst, was eigentlich E-Books für Vorteile hätten. Er hielte lieber ein Buch in der Hand, in dem er blättern kann. Ich habe mich also hingesetzt und mir Gedanken dazu gemacht.
Gerade für den Urlaub sind E-Books eine prima Sache. Man hat ein kleines, leichtes, handliches Gerät dabei, das eine ganze Bibliothek fassen kann. Zehn Bücher mitzunehmen – kein Problem!
Was das Blättern betrifft, das kann man, wenn man unbedingt möchte, mit dem E-Book-Reader natürlich auch. Ein Fingertipp rechts, und man hat die nächste Seite aufgeschlagen, ein Fingertipp links, und man hat zurückgeschlagen. Sucht man aber ein bestimmtes Kapitel irgendwo im Buch, geht man nur zum Inhaltsverzeichnis, klickt es dort an, und schon hat man den Text, den man lesen möchte. Gerade bei unseren Reiseführern ist das eine wirklich tolle Sache! Man möchte noch einmal über den Dom nachlesen? Im Inhaltsverzeichnis auf ‚Dom‘ getippt, fertig.
Man kann auch Lesezeichen setzen und Randbemerkungen machen, ohne Ecken verbiegen und im Buch herumschreiben zu müssen.
Außerdem vergilben E-Books nicht und fangen auch nicht an, nach altem Papier zu riechen.
Zieht man um, muss man keine Bücherkisten schleppen.
E-Books sind viel günstiger als Bücher, und selbstverständlich gehört einem ein einmal gekauftes Buch für alle Zeit.
Sieht man schlecht, kann man die Schrift größer stellen.
Will man lesen, währen der Partner schläft, dann kann man das auch, ohne das Licht anzuschalten!
Hat man einen Friseurtermin, muss zum Arzt, sitzt in der Bahn – das E-Book ist immer dabei, denn es fällt in der Handtasche oder in der Innentasche eines Sakkos kaum ins Gewicht.
Apropos Gewicht: Liest man gerne auf dem Rücken liegend, kann ein dicker Schmöker verdammt schwer werden. Das leichte E-Book hingegen lässt sich in jeder Lage gut hantieren.
Und überhaupt: Wer sagt denn, dass man fortan nur noch E-Books lesen muss, nur weil man einen Reader besitzt? Man kann zu Hause auf der Couch ein Buch zur Hand nehmen, unterwegs hat man den E-Book-Reader dabei.
Vermutlich gibt es auch Nachteile. Mir fällt aber nur dieser ein: Man kann seine Bücher nicht mehr so einfach verleihen, müsste dann gleich den ganzen Reader mit der Freundin, dem Freund tauschen.
Am meisten steht den E-Book-Skeptikern aber wohl im Wege, dass wir Menschen Gewohnheitstiere sind und Bekanntes nicht so gerne gegen Neues ersetzen. Doch hat man sich erst einmal auf etwas eingelassen, will man es schon bald nicht mehr anders!

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E-Book – eine ganze Bibliothek in einem kleinen Gerät

PS: E-Books lassen sich übrigens auch auf einem Smartphone lesen, dort geht das mit dem Lesezeichen setzen usw. allerdings nicht …

Vergessene Wörter – Sappralott

Sapperlott“ oder „Sappralott“ Aussprache: [zapɐˈloːt], [ˈsapɐlɔt]. Wurde in Bayern und Österreich, aber auch in den Niederlanden gebraucht.

Dieses Wort habe ich als Kind öfter mal gehört, doch dann ist es aus dem Sprachschatz der Leute verschwunden. Heute fuhr ich meine übliche Radtour. Da hörte ich eine junge Frau, die am Wegrand stand ‚Sappralott‘ zu ihrem Hund sagen, weil er nicht gleich zu ihr kam.

Das Wort kommt ursprünglich aus dem Französischen und ist eine Entstellung von sackerlot, sacre nom (heiliger Name) bzw. heiliges Los.

Früher wurde es entweder als Ausdruck der Überraschung oder Begeisterung gebraucht: „Sappralott, du schaust aber heut gut aus!“
Oder als Ausruf der Verwünschung und Entrüstung: „Sappralott, jetzt folg endlich, sonst setzt‘s was!“

Auch die Niederländer kennen dieses Wort. Dort wird es Sapperloot geschrieben.
Noch mehr dazu weiß der ‚Schlaubeer‘ – hier der Link:

zum Schlau-Beer

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Zum Welttag verstorbener Kinder

Der zweite Sonntag im Dezember wird seit vielen Jahren als Welttag der verstorbenen Kinder begangen. Unter dem Motto ‚Ein Licht geht um die Welt‘ stellen Menschen, die ein Kind verloren haben, um 19:00 Uhr eine brennende Kerze ins Fenster. Während die Kerzen in der einen Zeitzone erlöschen, werden in einer anderen neue entzündet. So brennen vierundzwanzig Stunden lang irgendwo auf der Welt Lichter zum Gedenken an die Kinder.
Die Lichter schlagen Brücken und symbolisieren, dass diese Kinder das Leben ihrer Lieben erhellt haben und dass sie nie vergessen werden.

Wir haben ein Märchen für trauernde Eltern, das ihnen vielleicht ein klein wenig dabei helfen kann, loszulassen …

Das Tränenkrüglein
In alter Zeit, lange, bevor es dich und mich gab, da lebte eine Witwe, der ward ihr einziges Kind vom Tod geholt. Sie vermochte sich vor Herzleid nicht zu fassen und weinte sich am Tag und in der Nacht die Augen aus. Es ergab sich aber, dass sie einmal des Nachts einen Botengang machen musste von einem Dorf zum nächsten. Der Vollmond schien auf das verschneite Land, aber sie sah die Schönheit nicht, denn ihre Augen waren voll von all den vielen Tränen um ihr Kind.
Doch auf einmal tauchte eine seltsame Geisterschar vor ihr auf, das war die Frau Perchta mit ihren Heimchen. Die zogen auf dem verschneiten Feld mit leisem Singsang an ihr vorüber, dann über den Heckenzaun und strebten nun dem Walde zu. Schon war der Zug bei den ersten Tannen angekommen, da trippelte ängstlich ein Kind mit nackten Füßchen im kalten Schnee der Schar hinterher und schleppte an einem schweren Krug.
Als es nun auch an besagten Heckenzaun kam, waren die anderen schon alle hinüber. So lief es denn ängstlich hin und suchte nach einem Durchschlupf im Flechtwerk, denn der Steinkrug war viel zu schwer für das zarte Kindlein, und es konnte ihn nicht drüber heben.
Da endlich erkannte die Frau, dass es ihr eigenes Kind war, und es drückte ihr beinahe das Herz ab. Sie rief es bei seinem Namen, aber das Heimchen hörte nicht hin.
Da fasste es die Mutter bei der Hand, doch das Kind erkannte sie nicht. Der Mutter blutete das Herz bei alle dem, und sie weinte und presste das Kleine an ihre Brust. Als aber die salzigen Tränen des Kindes Äuglein netzten, da erkannte es die Mutter und sagte wie im Traum: »O wie warm ist Mutterarm!« – »Ach Kind, willst du nicht kommen und im Haus deiner Mutter bleiben?«, fragte traurig die Frau.
Sprach das Kind: »Lieb Mutter mein, leg ab die Trauer und lass das Weinen. Denn alle Tränen, die du vergießt, die fließen über mein Grab in diesen Krug. Den muss ich nun nachschleppen, und er wird immer noch voller. Da schau nur, mein Hemdchen ist schon ganz nass, und die Kinder laufen mir alle davon. So gib mich doch endlich frei und lass mich los.«
Da weinte sich die Mutter einmal noch von Herzen aus, küsste den nassen Kindermund, hob ihr Liebstes über den Zaun und sah mit sehnendem Blick dem weißen Hemdchen nach, bis es fern in der hellen Schar untergetaucht war.
Wollte sie dann wieder einmal der Gram übermannen und wollten ihre Augen überfließen vor Kummer, so hat sie schnell an das Krüglein gedacht und an den Zaun, schluckte tapfer die Tränen herunter und trug nun ihr Weh ohne Frage und Klage.
Deutsches Volksmärchen

Dieses und weitere Märchen zum Thema ‚Trauer‘ finden Sie in

 

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Von Trennung, Tod und Trauer – Märchen zum Gelingen des Lebens

Angeline Bauer / Psychologie im Märchen by arp

Originalausgabe Gütersloher Verlagshau 2002

Preis 4, 99 € / Text ca. 110 Seiten

Zum Buch: Märchen sind keineswegs nur für Kinder gedacht und weit mehr als spannende Geschichten. Märchen schenken Trost. Märchen sind weise. Dieses Buch richtet sich an Erwachsene, die für sich Hilfe suchen oder Kinder in dieser schwierigen Lebensphase begleiten.

Wer sich einlässt und tiefer blickt findet in den traditionellen Märchen aus aller Welt Antworten auf Lebensfragen, Konfliktlösungen und Kraft zum Gelingen des Lebens.

In ‚Von Trennung, Tod und Trauer‘ geht es um Abschiednehmen, loslassen, und das Verarbeiten von Trennungsschmerz. Die Helden der Märchen, die Angeline Bauer im vorliegenden E-Book tiefenpsychologisch deutet, nehmen den Leser an der Hand, erleben und erleiden für ihn und mit ihm allerhand Geschicke und führen ihn hin zu einem erlösenden Ende.

An einem Punkt des Lebens, an dem man sich ganz und gar verloren glaubt, gibt das Buch Kraft und Hoffnung und Hinweise für das Gelingen des Abschiednehmens.

Neu im Dezember

Weihnachtsgeschichten

Oje, du fröhliche …

Weihnachtsgeschichten, zum Lesen und Vorlesen von Friederike Costa.

Da wird das geschnitzte Jesuskind aus der Kirchenkrippe gestohlen, kommt eine Truckerin nicht rechtzeitig zur Bescherung nach Hause, ist eine Nachbarin spurlos verschwunden, soll ein Karpfen nicht geschlachtet werden und kündigt ein Junge seiner geliebten Omi die Freundschaft auf, weil es wieder einmal an Weihnachten nicht schneit. – Das und vieles mehr ereignet sich in dieser Kurzgeschichtensammlung von Friederike Costa‘. Lustiges, Trauriges und Beseeltes bringt den Leser zum Lachen oder rührt ihn manchmal auch zu Tränen …

Preis 3, 99 €
Text ca. 80 Seiten

ISBN Printausgabe: 978-3-946280-39-2

ISBN E-Book: 978-3-946280-16-3
ASIN: B018UJZF8E

Inhalt:
Die himmlische Stimme am Funkgerät
Friedchen, Ossi und Frau Janusch
Stachelige Grüße vom Weihnachtsmann
Esmeralda und das Jesuskind
Fatmas Weihnachtsbaum
Der wunderbare Weihnachtsmann
Eine Liebe bis in den Tod
Hannibal, der Weihnachtskarpfen
Weihnachten ist zu Hause oder gar nicht
Weiße Weihnacht
Das schönste Geschenk
Wenn kleine Engel flügge werden
Fred Astaire und der Nikolaus
Oje, du fröhliche …

 

Autorenportrait – Astrid Lindgren

Heute wird Pippi Langstrumpf 70 Jahre alt! Unglaublich – dieses hohe Alter sieht man ihr gar nicht an. Noch immer hat sie ihre lustigen Sommersprossen, die frechen roten Zöpfe und hüpft auf zwei schlampig bestrumpften Beinen fröhlich durch ihre verrückte Welt.
Pippis ‚Mama‘ hingegen ist längst tot. Sie starb 2002 im Alter von 95 Jahren in ihrer Wohnung in Stockholm, in der sie mehr als sechzig Jahre lebte.
Weihnachten 1933 erschienen in einer Zeitung zum ersten Mal Geschichten aus Astrid Lindgrens Feder. Dabei wollte sie eigentlich gar keine Schriftstellerin werden. Das ergab sich eher zufällig. Als nämlich ihre Tochter Karin krank war und sich langweilte, bat das Kind ihre Mutter: „Erzähl mir eine Geschichte … das Mädchen soll Pippi Langstrumpf heißen.“ Der Name war also eine Erfindung Karins.
Doch es gingen noch einmal drei Jahre ins Land, ehe die Geschichten zu Papier gebracht wurden. Als Astrid Lindgren wegen eines verstauchten Fußes selbst das Bett hüten musste, fand sie Zeit, die Geschichten aufzuschreiben, die sie sich für Karin ausgedacht hatte.
Danach erging es ihr, wie so manch anderen berühmten (und weniger berühmten) Schriftstellern – ihr Manuskript wurde abgelehnt. Doch ein Jahr später gewann sie mit einer überarbeiteten Fassung einen Literaturwettbewerb und gehörte am Ende mit einer Gesamtauflage von über 145 Millionen Büchern zu den meistgelesenen Kinderbuchautoren der Welt.

„Ihre Bücher hat meine Mutter am frühen Morgen geschrieben“, erzählte die Tochter später. „Sie wachte manchmal schon um vier oder fünf Uhr auf, blieb im Bett liegen und begann zu arbeiten. Sie schrieb in Schnellschrift auf einfache Spiralblöcke. Anschließend tippte sie die Manuskripte auf einer Schreibmaschine ab. So hat sie den ganzen Morgen bis zum Mittagessen in ihrem Schlafzimmer verbracht.“

Astrid Lindgren verbesserte viel. Sie hielt sich an die alte Journalistenweisheit: Schreiben ist streichen! Kürzte und vereinfachte die Texte klar, fließend und rhythmisch waren. Sie sagte einmal: „Schreiben ist harte Arbeit, aber es ist das Wunderbarste, was es gibt.“

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Pippi Langstrumpf in mühevoller Kleinarbeit gestickt

Michael Heuberger – Lesung mit Genuss!

Jedes Jahr am dritten Freitag im November findet bundesweite der Vorlesetag statt. Er ist eine Initiative von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn. Land auf, Land ab lesen Autoren, Schauspieler, Märchenerzähler, Mütter oder auch Kinder anderen vor. Ziel ist es, ganz allgemein Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken und insbesondere Kinder mit Büchern in Kontakt zu bringen.
Leider ist es nicht immer ein Vergnügen, Lesungen zu besuchen. Viele Autoren erliegen dem Irrtum, einen Text vortragen zu können, nur, weil sie ihn geschrieben haben. Es findet kein Augenkontakt zwischen Publikum und Vorleser statt und wird ohne Punkt und Komma schnell heruntergehaspelt. Wer zuhört hat keine Zeit, vor seinem inneren Auge Bilder entstehen zu lassen – die Eintönigkeit macht unglaublich schläfrig …
Es geht aber auch anders. Ich habe am Vorlesetag in Regensburg in der Buchhandlung ‚Bücherwurm‘ eine Lesung von Michael Heuberger gehört. Er ist Schauspieler am Stadttheater Regensburg und trug heitere Gedichte zum Thema Wein vor, von Goethe über Wilhelm Busch bis Loriot. Das konnte man sich auf der Zunge zergehen lassen. Betonung an der richtigen Stelle, jede Pointe saß! Und die Auswahl der Gedichte war ebenso hervorragend. Kurz, ein Vortrag vom Feinsten.
Danke an die Buchhandlung ‚Bücherwurm‘ und vor allem an Michael Heuberger.

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Michael Heuberger liest in der Buchhandlung ‚Bücherwurm‘

Hier eine Auswahl der Gedichte:
Johann Wolfgang von Goethe – Frisch! Der Wein soll reichlich fließen / Der Schatzgräber / Stoßseufzer / Ergo Bibamus!
Gotthold Ephraim Lessing – Der Tod / Der trunkene Dichter lobt den Wein / Antwort eines trunkenen Dichters / Die Stärke des Weins
Joseph Viktor von Scheffel – Kunz von Kauffungen
Franz Graf von Pocci – Hans Teuerlich
Heinz Erhardt – Tatü, Tatü / Die Made / Weihnachten 1944
Wilhelm Busch – Lieder eines Lumpen / Der Einsame / Sie stritten sich beim Wein herum / Onkel Kaspers rote Nase / Unentbehrlich
Karl Valentin – Traum
Loriot – Diverse Kochrezepte aus ‚Der gute Geschmack‘

Raubkopien lesen heißt Bücherklau

Leider müssen Autoren immer wieder feststellen, dass ihre Bücher als Raubkopien auf diversen Internetplattformen gelistet sind. Dort werden sie von sogenannten Piraten für Centbeträge verkauft. Heißt, ein paar Leute lassen es sich auf ihre Kosten gut. Wieso arbeiten, wenn man auch ohne sich anzustrengen in der Sonne liegen kann?
Leider gestaltet sich die Verfolgung solcher Banden sehr schwer. Registriert sind sie z.B. in Afrika, der Server ist irgendwo in Osteuropa, Amerika oder der Karibik. Deutsche Ermittlungsbehörden sehen sich deshalb nicht imstande und haben vermutlich auch kein Interesse, diese Typen zu verfolgen. Da hilft nur eins, den Lesern klar zu machen, dass sie Verbrecher unterstützen und selbst zu Dieben werden, wenn sie sich Bücher über solche Plattformen verschaffen.
Doch nicht allen ist bewusst, dass Sie Raubkopien lesen oder anhören. Dazu erzählt Petra Schier, erfolgreiche Autorin von Liebesromanen, folgendes:

Neulich bei einer Lesung sprach mich eine begeisterte Leserin und Hörerin meiner Hörbücher an, ob es von allen meinen Adelina-Romanen auch Hörbücher gäbe. Sie hatte sich das Hörbuch zu Band 1 bei mir gekauft. Ich sagte: „Ja, klar!“
Die Leserin: „Aber bei YouTube konnte ich die nicht finden. Kann man die wirklich herunterladen?“
Ich: „Bei YouTube natürlich nicht, aber bei iTunes, Audible und in vielen anderen Online-Shops.“
Nach einigen weiteren Worten wurde mir klar: Die Dame war sich überhaupt nicht bewusst, dass Hörbücher, die z.B. bei YouTube auftauchen (oder in anderen kostenlosen Portalen) raubkopiert sind und wir Autoren keinen Cent sehen, wenn man dort etwas herunterlädt bzw. anhört/streamt. Vor allem dann nicht, wenn Werbung dazwischengeschaltet ist.
Es liegt also nicht einmal nur am fehlenden Unrechtsbewusstsein, dass so viele nur kostenlos abgreifen wollen. Sie WISSEN schlichtweg gar nicht, dass sie uns Autoren damit schaden, sondern gehen davon aus, dass wir selbst dafür sorgen, dass unsere Werke überall online verfügbar sind.
Ganz nebenbei muss einem bewusst sein, dass man Gefahr läuft, sich mit dem Herunterladen von Raubkopien einen Trojaner einzufangen. Hierzu mehr auf dieser Internetseite:

Pirate Bay Clone Offloads Banking Trojan Via WordPress Blogs

Autoren müssen hart arbeiten für ihre Brötchen. Fett in der Sonne liegen, wie solche Piraten, ist bei den sechs oder acht Prozent Honorar pro Buch leider nicht drin.
Inzwischen gibt es Anti-Piracy-Agenturen, mit denen manche Verlage zusammenarbeiten. Wie viel es bringt, wird sich zeigen.

 

Karibik 08
Stopp! Raubkopien lesen heißt Bücherklau

Die Holunderküche – Ein Kochbuch rund um den Holunder

Kochen und backen mit Holunder
Die Holunderküche von Angeline Bauer

Copyright © 2015 by arp
Ausgabe November 2015

1999 als Print im Heyne Verlag erschienen, jetzt als überarbeitete Neuauflage in Verlag by arp

Preis E-Book 3, 99 € – Text ca. 90 Seiten / ISBN: 978-3-946280-11-8

Preis Printausgabe 10,99 € – Text 248 Seiten / ISBN: 978-3-946280-40-8

Bereits Pfarrer Kneipp lobte den Holunder über alles, denn mit seinen hohen Anteilen an wichtigen Vitaminen stärkt er das Immunsystem. Doch auch in der Küche erlebt der Holunder eine Renaissance. Nicht nur zu Marmelade, Gelee oder Saft lässt er sich verarbeiten, sondern auch zu vielen anderen Köstlichkeiten. Wie wäre es mit Holundersuppe an Birnen oder Holunder-Joghurttorte? Oder probieren Sie doch einmal Holundermus zum Lamm oder Holunder-Schweinebraten, Hasenragout in Holundersaft geschmort, Holunder-Kirschkuchen oder Panna cotta mit Holundersauce. Sie werden staunen, wie gut das schmeckt!

Das bietet das Buch:
Geschichten und Geschichtliches über den Holunder
Botanische Erkennungszeichen
Holunder – wie man ihn sammelt und im Garten zieht
Vorrat anlegen – Einkochen von Mus, Säften, Marmeladen
Backen mit Holunder – herrliche Kuchen, Torten und Kleingebäck
Kochen mit Holunder – Süßes und Herzhaftes (Wild-, Geflügel-, Fleisch-, Käsegerichte)
Getränke mit Holunder – von Holunderlikör bis Longdrinks

Buch kaufen bei Thalia

Buch kaufen bei Amazon

ISBN: 978-3-946280-11-8
ASIN: B017WCDE1U

Glosse – Klecksi Schreiber hat Post bekommen

Den Satz: „Ich wollte auch schon immer mal einen Roman schreiben!“, hören Autoren oft. Und meist kommt dann noch: „Da kann man sich wenigstens seine Zeit einteilen und kreativ sein!“ Als ob der Tag eines Schriftstellers plötzlich 48 Stunden hätte. Natürlich kann man nachts schreiben, dann muss man allerdings tagsüber schlafen … na ja. Und das mit der Kreativität ist auch so ein Ding. Gerade wenn man regelmäßig für Zeitschriften schreibt, so wie ich, hat man sich an einen ganzen Vorgabenkatalog zu halten! Kollegin Klecksi ging es ebenso …

Als Contra ins Zimmer kam, saß Klecksi am Tisch und grübelt trübsinnig vor sich hin. „Was’n los?“ fragte sie.
„Das ist los!“ Klecksi deutete auf den Brief, den ihre Lektorin geschickt hatte.
Contra las vor: „Sehr geehrte Frau Schreiber,
leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir nur noch Manuskripte mit 197 860 Zeichen veröffentlichen, bitte kürzen Sie beiliegendes Manuskript entsprechend. Außerdem schicken wir Ihnen vorab schon mal das druckfertige Cover für Ihren nächsten Roman mit. Schneiden Sie ihn genau darauf zu!“
Contra betrachtete das Bild. „Aha“, sagte sie. „Folglich muss die Heldin blond sein, ER schwarzhaarig, in der Geschichte muss ein Flugzeug, ein Berg, ein Apfelbaum und eine Rose vorkommen – denn all das ist auch auf dem Cover.“
„Genau“, knurrte Klecksi. „Jetzt sag mir mal, zum Donner und Kanonenrohr, wie soll ich da noch kreativ sein?!“ Klecksi zitterte vor Empörung.
Eine Weile war es still. Contra kringelte eine Haarsträhne um ihren Zeigefinger, ein Zeichen, dass sie nachdachte. Schließlich streckte sie sich und fragte: „Warum? Ich meine, was hindert Dich daran, kreativ zu sein? Das blöde Foto etwa?“
„Na, ich bitte dich! Bei all den Vorgaben!“, fauchte Klecksi.
Contra zog die rechte ihrer Augenbrauen hoch und sah Klecksi sehr von oben herab an. „Ich dachte, du bist eine Profiautorin!“
„Bin ich ja auch!“
„Ich dachte, als Profi darf dir keine Aufgabe zu schwer sein?“
„Papperlapapp. Meine Figuren tun was sie wollen. Sie lassen sich nicht in ein Schema pressen! Außerdem braucht eine Schriftstellerin nun mal ihre dichterische Freiheit!“
„Blödsinn.“ Contra verschwand im Bad und kam mit einem alten Seidenstrumpf zurück. Den hielt sie Klecksi hin. „Also, nun sei mal kreativ. Was kannst Du damit alles machen?“
„Was soll man mit einem alten Strümpfen schon groß machen!“, zischte Klecksi.
„Siehst du, das ist ja die Kunst. Beweise mir deine Kreativität.“
„Nun, ich könnte ihn mir über den Kopf ziehen und dann bei meiner Lektorin einbrechen, um ihr mit Wonne eines über die Rübe ziehen.“
„Könntest du. Würde dir vielleicht eine gewisse Befriedigung verschaffen, wäre aber nicht unbedingt klug. Vergiss nicht, es kommt selten was Besseres nach – also, was noch?“
Klecksi grübelte. „Ich könnte lauter alte Strümpfe sammeln, aus Stoff eine Puppe nähen und die dann mit den alten Strümpfen ausstopfen.“
„Na siehste, wird ja schon! – Weiter!“
„Könnte ihn mit etwas Tee füllen und in die Teekanne hängen – als Teesieb! Allerdings erst, wenn er gewaschen ist!“ Klecksi hielt sich bedeutsam die Nase zu. „Oder ich könnte mein Frittenfett durchgießen, damit die Rückstände rausgefiltert werden.“
„Gut, gut! Und?“
Klecksi grinste: „Ich könnte ihn auch als Kondom benutzen – allerdings nur, wenn ich unbedingt schwanger werden will!“
Contra verdrehte die Augen. Und dann fragte Klecksi: „Aber was bezweckst du mit der Fragerei?“
Contra antwortete mit einer Gegenfrage: „Na, hättest du all diese wahnsinnig praktischen Erfindungen gemacht, wenn ich dir nicht `nen alten Strumpf vorgehalten hätte? Nee! Und daran siehst du, wie kreativ wir wirklich sind zeigt sich erst, wenn wir Vorgaben bekommen! Auf jeden Fall aber ist die Vorgabe kein Hinderungsgrund. Bloß musst du dann bereit sein, ein wenig von dem abzurücken, was dir immer so wichtig war.“
Contra stand bereits an der Tür. Ihren alten Strumpf hatte sie sich inzwischen als Schleife ins Haar gebunden. Jetzt hob sie die Hand und winkte. „Also Tschüs, Klecksi, bis nächstes Mal!“ Sie zog die Tür hinter sich zu.
„Arrogante Besserwisserin!“ zischte Klecksi und zerknüllte den blöden Brief.

klecksi-schreiber-briefkasten
Klecksi Schreiber hat Post bekommen

Schriftsteller und ihre Musen

Alles wurde schon einmal geschrieben – und sogar Shakespeare hat geklaut! Wen wundert es also, dass sogar große Dichter ihre ‚Flauten‘ haben. In solchen Momenten suchen sie Inspiration bei den Musen …

Die Musen aus der Mythologie sind neun Göttinnen … nein, eigentlich ist es nur eine, nämlich die ‘neunfache Göttin als Quelle der Inspiration’, und allesamt Töchter des Zeus. Die Muse der Liebesdichtung heißt Erato, die der Tragödie Melpomene, die Muse der Heldendichtungen Kalliope. Dann sind da noch Klio, Terpsichore, Euterpe, Polyhymnia, Urania und schließlich Thalia, die sie alle anführt.

Oft werden die Mythologischen Musen aber auch von irdischen Schwestern vertreten; Frauen aus Fleisch und Blut, die ‘ihren’ Dichtern, Malern oder Musikern zu großen Werken verhelfen. Durch klugen Rat oder auch nur durch ihre Schönheit oder die Art, wie sie an einer Blume riechen.

Von Künstlerinnen und ihren männlichen Musen ist nur wenig bekannt. Warum eigentlich? Haben sie sich nicht auch den Musenkuss verdient? Gerade heutzutage, wo einem das Wörtchen Gleichberechtigung bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ins Ohr geflüstert wird?!

Auch ich habe keine/n – aber vielleicht wäre ja heute der richtige Tag, mich auf die Suche zu machen …

Terpsichore – die Muse der Chorlyrik und des Tanzes. Hier im Achilleion – Palast der österreichischen Kaiserin Elisabeth (Sisi) auf Korfu, den sie in den Jahren 1890–1892 erbauen ließ.

Ein Einsatzroman einmal ganz anders

Kennen Sie Einsatzromane? Also, das hat nichts mit Einsatz zu tun. Gemeint ist ein ‚Roman‘, der nur aus einem Satz besteht. Ein endlos langer, nimmer endender Bandwurmsatz. Bei Amazon kann man in so einen Roman hineinlesen – falls es euch interessiert. Die Autorin heißt Caroline Günther.

Das ist sicher eine große Kunst, denn man muss den Faden behalten, was ja schon bei ganz normalen ‚Vielsatzromanen‘ nicht jedem leicht fällt. Doch mein Ding ist so ein Endlossatz nicht, weder als Autorin, noch als Leserin.

Auf unserer Inn-Radreise vom Maloja-Pass bis Passau (festgehalten in einem heiteren Reisebericht) kamen wir nach Kramsach in Tirol. Dort gibt es einen Museumsfriedhof. Hans Guggenberger, der Gründer, hat in Österreich und Bayern ein paardutzend, teilweise dreihundert Jahre alte, schmiedeeiserne Grabkreuze gesammelt und in einem kleinen Wald aufgestellt. Die Sprüche, die man auf den Kreuzen lesen kann, sind derb-herzliche Lebensgeschichten und zeugen vom urwüchsigen Volkshumor der Alpenländer. Ja, und dort habe ich einen ganz anderen ‚Einsatzroman‘ gelesen. Kurz und bündig. Ein Satz aus vier Wörtern, der ALLES erzählt.

Aufigschtieg’n, obagfall’n, hin gwös’n

Übersetzt: Hinaufgestiegen, heruntergefallen, tot gewesen.

Diese ‚Einsatz-Geschichte‘ begleitet mich seither und taucht immer mal wieder aus meinem Unterbewusstsein auf. Zeigt sie doch, dass nicht immer viele Worte nötig sind, um das Wesentliche auszudrücken. Der eigenen Fantasie sind dabei aber keine Grenzen gesetzt, wer will, kann sich die Geschichte selbst ausschmücken. Zum Beispiel so:

Ein Bauernhof. Es ist Spätsommer. Die Äpfel sind reif. Die Bäuerin hat acht Kinder, drei sind sterbenskrank, die Magd ist vorgestern abgehauen, mitten im Jahr. Der Bauer kommt vom Feld. Kein Essen auf dem Tisch, weil die Kinder kotzen und die Bäuerin zwischen Stall und Schlafkammer unterwegs war, den ganzen Tag. Jetzt steht er vor ihr, macht ihr Vorwürfe.

Sie schreit ihn an: „Mach’s dir doch selber, dein Essen, oder soll ich die Kinder deinetwegen verrecken lassen?!“

Er brüllt zurück: „Ich war ja auch den ganzen Tag auf dem Feld und hab geschuftet bis zum Umfallen!“

„Dann schneide dir halt einen Kanten Brot ab und was vom G‘sellchten dazu.“

Er geht.

„Und die Äpfel müssen geerntet werden, sonst faulen sie uns noch am Baum!“, schreit sie ihm nach.

Er isst Brot. Seine Wut ist noch nicht verraucht, als er hinaus in den Obstgarten geht. Die Leiter ist morsch, der vorletzte Tritt schon angebrochen. Er hätte sie längst richten müssen, aber das ist Arbeit für den Winter. Er nimmt sie und lehnt sie an den Baum. Steigt hinauf, den Jutesack hat er sich quer um die Schulter gehängt. Da hinein legt er die Äpfel. Er steigt weiter hinauf. Der Jutesack ist schon voll. Nur noch den einen Apfel dort drüben, bevor er hinuntersteigt, um den Sack zu leeren und die Leiter zu versetzen. Er reicht nicht ganz hin, steigt einen Tritt höher, vergisst, dass der Abtritt schon angebrochen ist. Es kracht, der Abtritt bricht, die Leiter kommt ins Wanken. Der Bauer greift hilfesuchend nach einem Ast, doch schon kippt er samt der Leiter zur Seite, erwischt ihn nicht mehr.

Die Bäuerin im Haus hört einen Schrei. Langgezogen, unheilverkündend. Sie geht zum Fenster, schaut hinaus, sieht ihren Mann dort liegen, rennt hinaus.

Als sie bei ihm ist, ist er schon tot. Drei Tage später trägt sie ihn zu Grabe, eins ihrer Kinder dazu – und die Äpfel faulen am Baum.

‚Aufigschtieg’n, obagfall’n, hin gwös’n‘, denkt sie bekümmert, als sie im Frühjahr auf der Bank vorm Haus sitzt und den Baum betrachtet, der jetzt wieder voller Blüten ist.

So könnte es gewesen sein. Vielleicht aber auch ganz anders. Unsere Phantasie kann diese ‚Einsatz-Geschichte‘ auskleiden, ganz nach Belieben …

Einsatzromane
Eine Grabinschrift, die alles sagt